Klappentext

Gibt es ein jüdisches Volk? Nein, sagt der israelische Historiker Shlomo Sand und stellt damit den Gründungsmythos Israels radikal in Frage. Vertreibung durch die Römer? Exodus? Rückkehr nach 2000 Jahren ins Land der Väter? Alles Erfindungen europäischer Zionisten im 19. Jahrhundert, schreibt Sand in seinem aufsehenerregenden Buch, das in Israel und Frankreich zum Bestseller wurde und heftige Kontroversen ausgelöst hat. Sand gehört einer Gruppe israelischer Historiker an, die sich kritisch mit der Geschichte Israels und des Zionismus befassen. Nicht das Existenzrecht Israels stellen sie in Frage, sondern den auf Legenden beruhenden Alleinanspruch auf das Gelobte Land. Das Judentum, so Sand, ist eine religiöse, keine ethnische Gemeinschaft. Wenn überhaupt, sind eher die Palästinenser als die aus Europa eingewanderten Juden ethnische Nachkommen der biblischen Israeliten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2011

 So viel Manipulation will Rezensent Joseph Croitoru dem Autor nicht durchgehen lassen. Der israelische Historiker Shlomo Sand will darin den Beweis führen, dass die Juden nicht für sich in Anspruch nehmen können, eine intakte Ethnie zu sein, deren Ursprünge im historischen Israel liegen. Womit Sand dem Staat Israel den legitimen Anspruch auf Palästina entziehe. Croitoru stört sich an etlichen Punkten. Zum einen verwende Sand ausgesprochen manipulativ den Begriff "Erfindung der Nation", der für die Formulierung nationaler Narrative in den 80er Jahren aufgekommen ist, in dem er ihn zur Erfindung des jüdischen Volkes ummünze. Dann lasse er den Eindruck entstehen, es sei sein Verdienst nachgewiesen zu haben, dass nicht die Römer die Juden vertrieben haben (sondern die Araber). Dabei habe dies als erster der Judaist Isarel Jacob Yuval unternommen. Und wenn es schließlich darum gehe, die osteuropäischen Juden zu Nachkommen eines tatarischen Konvertitenvolks zu stempeln, sieht Croitoru die Grenze zwischen Legende und Wissenschaft aufgehoben. Sein einziger Trost ist, dass diejenigen, die sich von diesem Buch eine Delegitimierung Israels erhoffen, sich durch 200 trockene Seiten zur Nationalismusforschung mühen müssen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.06.2010

Stefana Sabin nennt Shlomo Sands Buch schlicht "revisionistisch". Der israelische Historiker vertritt darin die These, dass die nationale Identität Israels auf einem biblischen Mythos beruht, und dass eine "ethnisch-kulturelle Einheit" der Juden nicht existiert, erklärt die Rezensentin. Nach Sand besteht somit auch keine Legitimation für die zionistische Staatengründung, und er plädiert vehement für eine Umorientierung Israels in einen "multiethnischen und multikulturellen Staat", lässt Sabin wissen. Die These vom Gründungsmythos des jüdischen Volkes ist, wie auch der Autor zugibt, keineswegs neu, stellt die Rezensentin klar, doch Sand betreibt einen beträchtlichen "bibliografischen Aufwand" und bringt 560 Anmerkungen an, um sie zu untermauern. "Revisionistisch" sei also nicht der Hinweis auf diesen Mythos, sondern die Absage, die der Autor dem israelischen Existenzrecht erteilt, verdeutlicht Sabin, die dies durch Sands nachdrückliche Kritik an Israels Innenpolitik gesteigert sieht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.04.2010

Ob es sich bei Shlomo Sand um einen Unglückspropheten handelt? Dem hier rezensierenden Althistoriker Klaus Bringmann möchte es so scheinen. Den Aufruhr, den dieses Buch bereits in Israel, Frankreich, Goßbritannien und den USA entfacht hat, erklärt Bringmann zum einen mit seiner politischen Stoßrichtung. Demnach propagiert Sand eine Einstaatenlösung für Israel - oder besser Palästina - und stellt, um der Exklusivität des jüdischen Staates die Grundlage zu entziehen, eben die Existenz eines einheitlichen jüdischen Volkes in Frage. Ein "Generalangriff auf das zionistische Nationalbewusstein". Zum anderen meint Bringmann, dass Sand einfach Recht hat. Der zionistische Nationalismus entspringe der gleichen historischen Epoche wie die europäischen Nationalismen und habe sich also auch in einer ähnlichen Mischung aus mythischen, historischen und biologistischen Motiven herausgebildet. Die Berufung auf die jüdischen Stammväter entspringe dem gleichen Muster wie deutschen Mythen um die Germania oder Hermann dem Cherusker. Plausibel findet Bringmann auch Sands These, dass die Mehrheit der osteuropäischen Juden ethnisch vom Turkvolk der Chasaren abstammt, die im achten Jahrhundert geschlossen zum Judentum übergetreten seien, weswegen er dem Buch bescheinigt, "radikal, kenntnisreich und mit großem Mut" geschrieben zu sein.
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