Saul Friedländer

Wohin die Erinnerung führt

Mein Leben
Cover: Wohin die Erinnerung führt
C. H. Beck Verlag, München 2016
ISBN 9783406697708
Gebunden, 329 Seiten, 26,95 EUR

Klappentext

Saul Friedländer ist noch ein halbes Kind, als der Zweite Weltkrieg zu Ende geht. Der Historiker erzählt von seinem Leben danach, das reich ist an Erfahrungen und Begegnungen, aber das Leben eines Entwurzelten bleibt.  Den blutjungen Saul Friedländer drängt es nach Israel, wo er als glühender Zionist für die Gründung eines jüdischen Staates kämpfen will. Der Fünfzehnjährige fälscht das Geburtsdatum in seinem Pass und schifft sich auf der "Altalena" ein. In kurzer Zeit lernt er Hebräisch und die jüdische Kultur kennen, doch schon bald zieht es ihn wieder zurück nach Paris. Er studiert und erkennt immer deutlicher, wohin die Suche nach der eigenen Identität ihn führen wird - in die Erinnerung an jenes Ereignis, dem sechs Millionen Juden, darunter auch seine Eltern, zum Opfer gefallen sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2017

Michael Mayer liest Saul Friedländers Erinnerungen mit besonderer Freude darüber, dass hier nicht nur ein Gelehrter schreibt, sondern jemand, der im politischen Prozess auch eine Rolle spielte und sich ein Leben lang über den Holocaust und über den Nationalsozialismus und seine Historisierung Gedanken machte. Dass der Fokus des Bandes auf den Jahren 1977-2015 liegt, merkt Mayer an, stellt allerdings fest, dass die in diese Zeit fallende Debatte zwischen Friedländer und Martin Broszat in den Memoiren sehr verkürzt erscheint. Als Mangel empfindet Mayer auch das Namedropping im Buch. Dahinter wäre der Mensch Friedländer mit all seinen Ängsten und Hoffnungen zu entdecken gewesen, bedauert der Rezensent, der sich gezwungen sieht, zu diesem Zweck zwischen den Zeilen zu lesen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2016

Christoph Jahr liest Saul Friedländers zweites Erinnerungsbuch mit großem Gewinn. Die wesentlich chronologisch angelegte autobiografische Schrift besticht in Jahrs Augen gerade durch ihr Bekenntnis zur Vermengung von historischen Fakten und individuellen Erlebnissen und Verwundungen. Immer wieder kann Friedländer dem Rezensenten zeigen, wie unterschiedlich der Blick auf den Holocaust sich je nach Perspektive gestalten kann. Anregendes und Anrührendes halten die intimen Memoiren für Jahr bereit. Die Verbindung aus Politik und Alltagserlebnissen, Familiengeschichte und dem Innenleben des großen Historikers eröffnen Jahr den Blick auf das komplexe Verhältnis von Erinnerung und Geschichtsschreibung.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.11.2016

Einen "begnadeten Stilisten" nennt Rezensent Maximilian Probst Saul Friedländer, was für einen Historiker ein wohl seltenes und darum umso erfreulicheres Lob ist. In seinem zweiten autobiografischen Werk zeichnet Friedländer auf so lehrreiche wie unterhaltsame und immer inspirierende Weise den Weg zu dem Thema nach, das den Mittelpunkt seiner Forschung bilden sollte, die jüdischen Geschichte und die Shoah. Sein Leben war und ist ein bewegtes Leben, weshalb sich seine Autobiografie, so der begeisterte Rezensent, fast wie ein Roman liest.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.10.2016

Sichtlich angetan ist Rezensent Dietmar Süß von der Autobiografie des 1932 in Prag geborenen Historikers Saul Friedländer. Schon als Kind von den Nationalsozialisten aus seiner Heimat vertrieben, verliert Friedländer beide Eltern auf der Flucht. Er selbst überlebt in Obhut eines katholischen Internats. Als empfindsam und berührend beschreibt Süß, wie Friedländer davon erzählt, wie er sich als Holocaust-Forscher zu behaupten und trotz aller eigenen Betroffenheit "die Fassade der Normalität" aufrechtzuerhalten versuchte. Er sei ein scharfer Analytiker, dem man in seinem Buch häufig den eigenen Schmerz anmerkt. Eine selbstkritische und klare Autobiografie voller Wendungen, so Süß.
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