Samuel Beckett

Echos Knochen

Cover: Echos Knochen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783518428788
Gebunden, 123 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Mark Nixon. Übersetzung aus dem Englischen und mit einem Nachwort von Chris Hirte. Als Samuel Beckett 1933 den Erzählzyklus "More Pricks than Kicks" (Mehr Prügel als Flügel) einreichte, fand der Lektor das Manuskript etwas schmal, er bat um einen weiteren Beitrag, und Beckett schrieb "Echo's Bones". Dafür holte er Belacqua, den Helden der bisherigen Geschichten, der bei einer Operation gestorben war, zurück. Der Lektor las den Text, er war ihm zu wild, und Beckett "vergrub" ihn. Erst 2014 ist die Erzählung publiziert worden: Beckett versetzte Belacqua in eine Unterwelt der Mythen und Gespenster und konfrontierte ihn mit den Ausgeburten seiner maßlosen Belesenheit. Es war sein letzter und radikalster Versuch, die explodierende innere Welt zu bändigen, bevor er sich in eine Psychoanalyse begab und die Wende hin zur französischen Sprache und zu Strenge und Kargheit vollzog.
"Belacqua ist ein Mensch, der, gestorben und begraben, wiederhergestellt für den Dschungel, ja wirklich für den Dschungel, restlos erschöpft und im Vollgefühl seiner Schwächen tagein, tagaus von Herzrasen geplagt, zigarrerauchend und nasebohrend und ganz schrecklich unter seinem Ausgesetztsein leidend auf dem Zaun hockt …"

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.01.2020

Rezensent Arno Widmann warnt den Leser vor Samuel Becketts frühem Roman. Die Meinung von Becketts Lektor teilend, spricht Widmann von einem Lektüre-Alptraum. Für Beckett-Enthusiasten aber ist das Buch natürlich ein Muss, räumt Widmann ein. Der geneigte Fan nämlich, so mutmaßt der Rezensent, suhlt sich doch gern in seitenlangen Literatur-Anspielungen und Pennäler-Witz, solange sie nur von Beckett stammen. Auch wenn es nicht Punk ist, wie der Verlag gerne möchte, zu entdecken ist hier laut Widmann nicht zuletzt, wie Beckett wurde, was er ist: durch Weglassen vor allem.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.01.2020

Lothar Müller warnt vor dieser aus dem Nachlass publizierten frühen Erzählung von Samuel Beckett. Statt Verknappung bietet sie ein "wucherndes Anspielungsgewitter". Dem Leser, damit er nicht verzweifle wie 1933 Becketts Lektor, rät Müller, die Dialoge einzeln zu lesen als Vorspiele zu Becketts Stücken oder sich mit den vielen Fußnoten zu befassen, um der "Liaison von Literatur und Gelehrsamkeit" nachzuspüren, die als "Furien und Dämonen" durch den Text spuken. Das Eintauchen in die "wüste" Welt des jungen Beckett aber lohnt sich allemal, versichert Müller.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2019

Rezensent Andreas Platthaus kündigt eine kleine Sensation an: Ein aus dem Nachlass übersetzter, bisher nicht publizierter Text von Samuel Beckett. Platthaus erläutert die Umstände seiner Entstehung und Abweisung durch Becketts Lektor vor rund 86 Jahren, um dann einzutauchen in eine Geschichte um Becketts Alter Ego Belacqua Shuah, die laut Rezensent bereits Motive und Erzählstrategien von Becketts großen Dramen und Romanen enthält. Vor allem die Dichte an literarischen Bezügen hält den Rezensenten auf Trab. Augustinus, Goethe, Dante und sogar Walt Disney kommen, wenngleich verklausuliert vor. Ein Fest für Liebhaber, meint Platthaus, das mit Einführung, Nachwort, Erläuterungen und Kommentarteil noch mal so schön wird.

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