Paul Lynch

Jenseits der See

Roman
Cover: Jenseits der See
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2025
ISBN 9783608966886
Gebunden, 192 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

 Aus dem Englischen von Eike Schönfeld. Der Fischer Bolivar lebt ein einfaches, unbeschwertes Leben. Im Gegensatz zu seinen Kollegen beginnt er seinen Tag meist erst mittags, raucht viel und trinkt Bier bei Rosa, der Frau, in die er verliebt ist. Er will gerade zu seinem Fang aufbrechen, als er von den Dorfbewohnern vor einem aufkommenden Sturm gewarnt wird. Aber Bolivar fährt entgegen jeder Vernunft an diesem Tag zur See. Er nimmt Hector mit, einen jungen Fischer, der das zusätzliche Geld gut gebrauchen kann, das Bolivar ihm für das Wagnis bietet. Obwohl er Angst vor dem Sturm hat, lässt er sich auf den Job ein. Als sie der Sturm aufs offenen Meer treibt, blicken sie gemeinsam - und doch jeder für sich - dem Untergang ins Auge. "Jenseits der See" zeichnet ein eindringliches Bild der menschlichen Psyche und geht der Frage nach, wie man es schafft, die Hoffnung in einer aussichtslosen Situation nicht zu verlieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.07.2025

Rezensentin Sylvia Staude gruselt sich in Paul Lynchs Roman davor, was die See mit den Menschen macht: Der alte Fischer Bolivar überredet seinen jungen, unerfahrenen Kollegen Hector dazu, mit dem Boot rauszufahren, doch die beiden geraten in einen massiven Sturm. Sie stranden sozusagen auf hoher See, erklärt Staude. Was zunächst nach wenigen Tagen aussieht, dauert monatelang, die beiden magern immer weiter ab und fangen an zu halluzinieren. Lynch lässt oft im Unklaren, was gesprochen, was gedacht und was halluziniert wird, was zu der unheimlichen Atmosphäre beiträgt, erklärt Staud. Gespenstisch wird es, als Hector den Strapazen trotz aller Bemühungen Bolivars am Ende erliegt - der Fischer ihn doch kurz danach wieder im Boot sitzen sieht. Atmosphärisch und düster schildert Lynch hier eine absolute Extremsituation, die die Kritikerin mit Spannung und Schrecken gelesen hat. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 18.07.2025

Für die Rezensentin Stephanie von Oppen ist dieser kurze Roman von Booker-Prize-Gewinner Paul Lynch ein "faszinierendes Kammerspiel": Er handelt von dem Fischer Bolivar, der das Leben eher gemütlich angeht und mit seinem Boot oft erst spät rausfährt. So auch an dem schicksalshaften Tag, als er mit dem jüngeren Hector in See sticht - sie geraten in einen Sturm, der sie dem Tod nahebringt, monatelang treiben sie auf dem offenen Meer und kommen sich so zwangsläufig näher, erfahren wir. Für Oppen ein Buch, das anhand dieser beiden Männer existenzielle Fragen des Menschseins verhandelt und eindrucksvoll und genau beobachtet.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 12.07.2025

Ein Buch, das den Kampf zweier schiffbrüchiger Fischer ums Überleben in eine existentielle Parabel übersetzt, legt Paul Lynch laut Rezensent Jan Drees hier vor. Die eher träge in den Tag hinein lebende Hauptfigur trägt den Namen Bolivar, so Drees, der erläutert, was damit kulturhistorisch alles aufgerufen wird. Gemeinsam mit dem jungen Hector begibt er sich, setzt die Zusammenfassung fort, trotz Warnsignale auf hohe See, die beiden werden dann von einem Sturm erfasst, bald sind die beiden Figuren, allein im Meer, auf fremde Hilfe angewiesen und können nur noch warten. Drees beschreibt das Buch als ein Kammerspiel auf dem Meer, die beiden Figuren gehen mit der Situation sehr unterschiedlich um, die Handlung wird zur mehrdeutigen Parabel, es geht um die Absurdität alles Irdischen, aber auch um den Wert von Gemeinschaft und zuallererst geht es um Schuld. Sprachlich gleich sich der gleichwohl gut durchgeformte Text der Ziellosigkeit an, mit der die Protagonisten ihre Leiden zu erdulden haben, erläutert der Rezensent, der darauf verweist, dass die beschriebene Episode auf wahren Ereignissen basiert. Freilich gelingt es dem Autor laut Drees, dieses Geschehnis in einer Weise zu überhöhen, die bisweilen an Joseph Conrads "Herz der Finsternis" und dessen Kino-Übersetzung "Apocalypse Now" erinnert. Alles in allem beschreibt die Rezension Lynchs Buch als eine lohnende, tiefsinnige Lektüre.

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