Sacha Batthyany

Und was hat das mit mir zu tun?

Ein Verbrechen im März 1945. Die Geschichte meiner Familie
Cover: Und was hat das mit mir zu tun?
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2016
ISBN 9783462048315
Gebunden, 256 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Sacha Batthyanys Großtante war in eines der schrecklichsten Nazi-Verbrechen am Ende des Zweiten Weltkriegs verwickelt. Als er ihre Geschichte aufschreibt, stößt er auf ein altes Familiengeheimnis. Wenige Wochen vor Kriegsende gibt Gräfin Margit Thyssen-Batthyány im österreichischen Rechnitz ein rauschendes Fest. Gegen Mitternacht verlassen die Gäste das Schloss und erschießen 180 Juden, die am Bahnhof auf den Weitertransport warten. Was genau in dieser Nacht geschieht, ist bis heute unklar. 'Und was', fragt der Schriftsteller Maxim Biller den Autor, 'hat das mit dir zu tun?' Sacha Batthyany beginnt, nach Antworten zu suchen. Seine Reise führt ihn ins alte Ungarn, ins Österreich der Nachkriegszeit, in die Schweiz der Gegenwart, in die Lager des Gulag nach Sibirien, auf die Couch eines Pfeife rauchenden Psychoanalytikers und bis ins Wohnzimmer einer Auschwitz-Überlebenden in Buenos Aires. Dabei entdeckt er ein Geheimnis, das seinen Blick auf seine Familie und sich selbst verändert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.03.2016

Susanne Lenz ist gefesselt von Sacha Batthyanys Versuch, seine monströse Familiengeschichte zu verstehen. Dafür dass die Großtante des Autors in das Massaker an jüdischen Arbeitern im österreichischen Rechnitz 1945 verwickelt war, interessiert sich der Autor zwar erst erstaunlich spät. Die Selbstbefragung, die dadurch in Gang kommt, findet Lenz allerdings respektabel, weil der Autor sich selbst nicht ausnimmt und sich fragt, wie er wohl gehandelt hätte. Das geht mitunter etwas allzu kokett und ab, kritisiert Lenz, doch Batthyanys Reise in die Vergangenheit mittels Briefen, Tagebüchern und Archivrecherche berührt für die Rezensentin letztlich die gesamte Geschichte Mitteleuropas, Hitler, Gulag und Religion.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2016

Sandra Kegel bekommt das Grausen, wenn sie bei Sacha Batthyany über die Geschehnisse von Schloss Rechnitz anno 1945 liest. Dass die Großtante des Autors die damalige Besitzerin des Schlosses war, macht die Sache für Kegel umso beunruhigender. Was macht der Autor daraus? Die Recherchen innerhalb der Familie, die er anstellt, führen laut Kegel nicht unbedingt zu neuen Erkenntnissen über das Massaker, deren Opfer noch immer keine Gerechtigkeit oder auch nur ein ordentliches Grab bekommen haben, wie Kegel erklärt. Doch auch wenn die vielen Fragen des Autors nicht immer eine Antwort haben, scheint Kegel der Band reizvoll, nicht zuletzt durch die Verbindung von journalistischer Zeitzeugensuche und ehrlicher persönlicher Involviertheit ("Es ging jetzt nur noch um mich", zitiert Kegel).
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.03.2016

Wie schwierig es ist, als Teil einer Täterfamilie Recherchen über die familiäre Vergangenheit anzustellen, erfährt Martina Läubli aus Sacha Batthyanys Buch. Wie der Autor die Geschichte seiner Großtante und ihre Verwicklung in die Ermordung von 180 jüdischen Zwangsarbeitern auf ihrem Schloss Rechnitz erforscht, findet Läubli durchaus respektabel. Schon weil sich der Autor nicht auf eine externe Warte begibt, sondern mittels Psychoanalyse in das Geschehene einbringt und seine eigene Position hinterfragt. Das gewählte Mittel der Textmontage scheint Läubli zudem fruchtbar, vor allem, da es jüdische und ungarische adelige Perspektiven miteinander konfrontiert. Beunruhigend bleibt die Geschichte des nie restlos aufgeklärten Massakers von Rechnitz für die Rezensentin allerdings dennoch.
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