Dem Elternhaus ist sie mit knapper Not entkommen, da bemerkt die jüngste Tochter des Pleitebauern: Der Provinz entkommt man nicht. Auch in ihrem neuen Roman schließt sich die Protagonistin einer Bande von Störenfrieden an, die die Provinz in die nahe Stadt tragen, den Schlachthof plündern und in Tierkadavern Drogen schmuggeln. Sie tanzen, wüten und spielen mit ihren Leben, weil sie es gewohnt sind, zu verlieren. Die Party ist erst aus, wenn die nächste beginnt. Mit einem Kind steht plötzlich nicht mehr nur die eigene Existenz auf dem Spiel. Fretten ist eine Mischung aus Lebensanklage und Liebeserklärung, gezeugt im Rausch der Verewigungssucht, im heiligen Zorn auf die Existenz und den Tod.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2022
So richtig ernst nehmen kann Rezensentin Katharina Teutsch diesen "Schmerzensroman" nicht, in dem sich Helena Adler an der als brutal empfundenen österreichischen Seele - hier in Gestalt einer Bauernfamilie - abarbeitet. Alles ist furchtbar und wird als furchtbar beschrieben, da steht Adler gewissermaßen in der Tradition von Bernhard, Jelinek oder Kreisler, so die Rezensentin, der man anmerkt, dass dies für sie genügend Autoren sind, die sich der Geißelung der österreichischen Volksseele verschrieben haben. Das deftige Vokabular Adlers schwappt außerdem immer wieder ins Prätentiöse, kritisiert die Rezensentin, die der Autorin nicht abnimmt, dass es ihr dabei um Existenzielles geht.
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