Ronald M. Schernikau

Irene Binz

Befragung
Rotbuch Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783867890953
Gebunden, 224 Seiten, 16,95 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Thomas Keck. Mit einem Vorwort von Dietmar Dath und einem Interview zwischen Ellen Schernikau und Claudia Wangerin. Das intensive Gespräch zwischen Mutter und Sohn fördert Bewegendes zutage: das Aufwachsen in der DDR, die Umstände der Flucht nach Westdeutschland aus Liebe zum Vater des gemeinsamen Kindes, die Demütigung, als sie erfährt, dass dieser dort heimlich eine andere geheiratet hat, das Misstrauen ihr, der Genossin, gegenüber - Irene Binz, literarisches Alter Ego von Ellen Schernikau, geht weiter ihren Weg und fühlt doch schmerzhaft die Leerstelle der fehlenden Heimat. Dieses Buch ist das Porträt einer ungewöhnlichen, starken Frau, die ihren Überzeugungen treu geblieben ist.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.10.2010

Als "dringend zu erzählenden Lebens" und "im besten Sinne Zeitgeschichte" hat die Rezensentin Roland M. Schernikaus Beschreibung des Lebens seiner Mutter empfunden. Denn, so Andrea Hannah Hünninger, es ist die Geschichte einer einfachen Frau zwischen beiden deutschen Nachkriegsstaaten. Der naive "dann-hab-ich-gedacht"-Ton, mit der diese in Teilen erschütternde Geschichte aufgeschrieben ist, greift der Kritikerin immer wieder ans Herz. Gedanken über die Ungerechtigkeit beider Systeme, die Trauer über Verpasstes machen das Buch für sie ebenso zur eindringlichen Lektüre, wie die detailreiche Schilderungen dieses Lebens durch einen empathischen Sohn.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2010

Ganz besoffen ist Jens Bisky von dieser, wie er schreibt, so einnehmend zwischen Protokollliteratur und Märchendichtung changierenden von Thomas Keck aus dem Nachlass edierten Prosafassung von Ronald M. Schernikaus Interview mit der Mutter. Deren hier dokumentierte Naivität Männer betreffend und Politik findet Bisky mitunter schwer erträglich. Hin- und hergerissen zwischen Ost- und West-Deutschland, wie sie ist, möchte Bisky ihr manchmal gern gut zureden. Weil Schernikau jedoch einen "charmanten, suggestiven" Märchenton einzieht, der die Mutter erfolgreich romantisiert, konzentriert sich Bisky bald auf den "Irenesound" und auf die "berückend schönen Sätze". Schon dieser, auch von Dietmar Dath im Vorwort leidenschaftlich gelobten poetischen Qualität wegen wünscht Bisky dem Buch viele Leser.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.02.2010

Bei diesem neuen Schnernikau-Buch handelt es sich um ein Gesprächsprotokoll, wie Rezensent Rene Hamann schreibt, das in dieser Form aus dem Nachlass neu veröffentlicht wurde. Und zwar spreche hier Schnernikaus Mutter Irene Binz persönlich, was diese "Befragung" für den Kritiker zur Vorstufe einer Autobiografie des 1991 verstorbenen schwulen kommunistischen Schriftstellers Schernikau macht. So sei es auch nicht irgendein Autorenmütterleben, dass hier erzählt werde, sondern ein sehr besonderes und interessantes, denn es erzähle von einem Leben, das "von Politik bestimmt" wurde. Auch handelt es sich dem Eindruck des Kritikers zufolge deshalb um einen hochpolitischen Text, weil er für ihn einen fast schon altmodischen Anspruch an Literatur erfüllt, den er hier hochhalten möchte: dass nämlich Literatur über die Verhältnisse aufklärt.