Ronald Dworkin

Gerechtigkeit für Igel

Cover: Gerechtigkeit für Igel
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783518585757
Gebunden, 813 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Robin Celikates und Eva Engels. "Der Fuchs weiß viele Dinge, aber der Igel weiß eine große Sache." Der griechische Dichter Archilochos hat diesen Satz formuliert, Isaiah Berlin hat ihn mit seinem Tolstoi-Essay berühmt gemacht. Aber was ist diese "eine große Sache"? Ronald Dworkin liefert in Gerechtigkeit für Igel eine Antwort: Es sind Werte in all ihren Erscheinungsformen. Wenn wir verstehen wollen, was Wahrheit und Schönheit sind, was dem Leben Sinn verleiht, was die Moral fordert und die Gerechtigkeit verlangt, so müssen wir der Spur jener moralischen Einstellungen nachgehen, die menschliches Denken, Fühlen und Handeln durchdringen und zu einer Einheit formen. Entsprechend entwickelt Dworkin eine umfassende Epistemologie der Moral, die bei Problemen des Wissens und Verstehens ansetzt und über grundsätzliche Fragen der Ethik bis hin zur Politik und zum Recht führt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.02.2013

Michael Schefczyk setzt sich intensiv mit Ronald Dworkins großem Werk "Gerechtigkeit für Igel" auseinander, das er zumindest von Umfang und Ambition mit John Rawls' "Theorie der Gerechtigkeit" auf eine Stufe stellt. Abschließend beurteilen möchte Schefczyk das Buch noch nicht, dafür ist ihm der Wurf einfach zu kühn, er ordnet zunächst einmal die Stärken und die Schwächen des Werks. Nachvollziehbar findet der Rezensent etwa noch Dworkins Kritik an der Metaethik, die den Eindruck erwecke, als können man von einem Standpunkt außerhalb des moralischen Diskurses diesen beurteilen. Daraus ergibt sich für Dworkin, dass die Moral ihren Wahrheitsanspruch aus sich selbst heraus begründen muss, was in Schwefczyks Augen zwar zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit den eigenen Wertvorstellung führt, aber auch zu der fraglichen Gleichstellung von Wertvorstellungen und objektiven Wahrheiten. Interessant findet der Rezesnent dann wieder den Gedanken, dass Moral und gutes Leben sich in keiner Weise ausschließen, da die Moral überhaupt nichts fordere, was einem gelungenen Leben im Weg stünde. Was den künftigen Umgang mit diesem Opus magnum betrifft, rät Scheczyk zur konstruktiven Auseinanderansetzung, das heißt nicht an den Schwächen haften zu bleiben, sondern an die Stärken anzuknüpfen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.10.2012

Die Frage, ob die Gerechtigkeit ein eigenes Wesen hat oder nur von den Mächtigen definiert wird, ob es also so etwas wie eine objektive Gerechtigkeit gibt, beschäftigt die Philosophie seit ihrem Beginn, dokumentiert in Platons "Politeia" im Dialog zwischen Sokrates und Thrasymachos, weiß Rainer Forst zu berichten. Der Rezensent, selbst Philosophieprofessor in Frankfurt am Main, hat Hochachtung für das ehrgeizige Unterfangen seines amerikanischen Kollegen Richard Dworkin, in "Gerechtigkeit für Igel" diese Frage abschließend zu klären und beweisen will, "dass das gute und das gerechte Leben eins sind". Sein Ansatz bestehe darin, die griechische und die moderne Philosophie zu verbinden, indem er die Menschenwürde als objektive Größe einführt, die sowohl für das eigene Leben als auch das der Mitmenschen Gültigkeit besitzt, so Forst. Restlos überzeugt ist der Rezensent von der Argumentationskette letztlich nicht, der Unterschied zwischen Ethik und Moral bleibt für ihn unauflösbar. Trotzdem lobt er Dworkins Werk als eindrucksvolle, anregende und lehrreiche Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2012

Mit einiger Faszination folgt Rezensent Maximilian Steinbeis dem Philosophen Ronald Dworkin durch dieses "wahre Opus Magnum", das der Autor durchaus als Resümee seines bisherigen Schaffens, vor allem aber als Kritik an einer wechselwarm relativistischen Moralphilosophie verstanden wissen will. Vielmehr geht es Dworkin in einer umfassenden Bestandsaufnahme und Begriffsklärung darum, Ethik und Moral vom changierenden Einerseits/Andererseits wieder auf die stabile Basis fester Werte zu bringen, ohne dabei allerdings seinen Ruf als "kämpferischer Liberaler" zu beschädigen, wie Steinbeis so erfreut wie erleichtert bemerkt. Aus den einfachen Imperativen, dass man ein gelingendes Leben wollen und für die eigene Auffassung eines gelingenden Lebens Verantwortung übernehmen soll, entwickle Dworkin ein Wertsystem, das Prinzipientreue und liberale Weltoffenheit gleichermaßen unter einen Hut bringe, so der Rezensent. Zwar halte sich Dworkin dabei auch mit einigen Selbstverständlichkeiten lange auf, was den Rezensenten zuweilen ermüden lässt. Doch sieht er in Zeiten wachsender illiberaler Bewegungen mit Dworkin einen starken Verbündeten auf der Seite des "pluralistischen Liberalismus" kämpfen.