W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2026
ISBN
9783170468221 Kartoniert, 165 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Was genau "Drogen" sind, ist nur scheinbar selbstverständlich. Der Begriff bekommt seine moderne Bedeutung erst, als sich im frühen 20. Jahrhundert ein grundlegend neues Verständnis psychoaktiver Substanzen durchsetzt und sie zum existenziellen Problem umdeutet. Der Gebrauch sogenannter "Rauschgifte" wird plötzlich lautstark stigmatisiert, pathologisiert und kriminalisiert. Der bis heute herrschende Drogendiskurs nimmt Gestalt an. Robert Feustel rekonstruiert die Geschichte dieser Problematisierung entlang der drei Dimensionen Substanz, Subjekt und Gesellschaft. Dies legt eine Ordnung des Wissens frei, die Drogen vorrangig mit Wahn, Kontrollverlust und Abhängigkeit verknüpft. Deutlich wird: Vermeintliche Gewissheiten sind sozial hergestellt und streitbar. Das Buch plädiert für einen nüchternen Blick und eine differenzierte Sprache, ohne Risiken zu leugnen. Dies öffnet Räume für Debatten und neue Perspektiven, jenseits von Verherrlichung und Alarmismus.
Ein wichtiges Buch wider die Verteufelung von Drogen hat Robert Feustel laut Rezensent Ambros Waibel geschrieben. Feustel zufolge hätte es vor allem für Drogenkonsumenten, aber letztlich auch für die Gesellschaft nur Vorteile, wenn Drogen legalisiert würden - und zwar auch die sogenannten harten, tatsächlich hält Feustel die Unterscheidung zwischen harten und weichen Drogen für Unfug. Wie man ihm zufolge ohnehin viel zu wenig über Drogen weiß. So ist etwa weitgehend unbekannt, schreibt Feustel, dass man von Heroin leichter wieder loskommt als von Alkohol. Die "von der Gesellschaft projizierte Angst vor dem Rausch" basiert letztlich für den Autor auf einem fragwürdigen Menschenbild, das davon ausgeht, dass Rauschmittel, wenn sie problemlos zur Verfügung stehen würden, andauern genutzt würden. Feustel glaubt das nicht und meint, statt Drogensucht zu bekämpfen, sollte man sich lieber wichtigeren Problemen wie Obdachlosigkeit und Krankheit widmen. Waibel stimmt ihm vollumfänglich zu.
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