Die Beschaffenheit der modernen Gesellschaft in Europa am Ende des 18. Jahrhunderts war so unwahrscheinlich wie welthistorisch einmalig. Das Buch analysiert die Entstehung und Durchsetzung sachorientierter Strukturen aus einer vormodernen hierarchischen Gesellschaftsordnung des Spätmittelalters heraus. Es folgt dabei keiner Modernisierungs- oder Fortschrittstheorie, sondern spürt den Problemen nach, die überwunden wurden, den Zufällen und Wechselwirkungen, die dabei eine Rolle spielten. Die Darstellung verbindet Mediengeschichte, Kommunikationstheorie sowie die Strukturgeschichte sozialer Systeme mit einer überraschenden Lesart der vormodernen Sozialphilosophie. Sie leistet auf diese Weise auch einen Beitrag zur Klärung und Historisierung grundlegender soziologischer Begriffe und Kategorien. Der Autor spannt in seiner Gesellschaftsgeschichte ein weites Panorama auf, das von der Familie über Korporationen, herrschaftliche Verwaltung, Unternehmen, sozialen Protest und religiöse Bewegungen bis hin zu Funktionsbereichen wie Recht und Ökonomie reicht. Die Rationalität der Moderne wird auf diese Weise als Effekt institutioneller Zusammenhänge greifbar, der in einer neuen Anthropologie des Menschen seine Entsprechung fand.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2025
Einen unbedingt lesenswerten Beitrag zur Erforschung der europäischen Frühneuzeit-Forschung legt Rudolf Schlögl hier laut seinem Kollegen Peter Burschel vor. Der Historiker Schlögl verfolgt darin konsequent einen systemtheoretischen Ansatz und zeigt auf, wie von 1500 bis 1800 die europäische Gesellschaft, und nur diese, von hierarchischer auf funktionale soziale Differenzierung umgestellt wurde. Auch der Aufbau des in zwei Kapitel gegliederten Buches orientiert sich, lesen wir, an systemtheoretischer Systematik, im ersten geht es um Medien und soziale Kommunikation, wobei unter anderem auf den schwindenden Einfluss der Moral angesichts neuer symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien wie Macht und Geld verwiesen wird; das zweite Kapitel beschäftigt sich dann mit Systembildung, insbesondere mit Blick auf Interaktionssysteme wie das der Familie. Auch wer der Systemtheorie skeptisch gegenübersteht, glaubt Burschel, kann diesem klugen Buch wichtige Erkenntnisse hinsichtlich der europäischen Modernisierungsprozesse, insbesondere hinsichtlich ihrer Zufälligkeit, entnehmen.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…