Richard von Weizsäcker

Drei Mal Stunde Null?

1949 - 1969 - 1989
Siedler Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783886807321
Gebunden, 224 Seiten, 20,40 EUR

Klappentext

Mit drei Jahreszahlen - 1949, 1969 und 1989 - hat Richard von Weizsäcker sein neues Buch überschrieben. Er forscht nach Nullpunkt, Neubeginn oder Kontinuität für jeden der drei Geschichtsabschnitte, die mit den genannten Jahren beginnen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.01.2002

Der "Elder Statesman" Richard von Weizsäcker präsentiert für Rolf Lamprecht mit diesen historischen Skizzen einmal mehr seinen "intellektuellen Glanz". Zweifellos, schreibt der beeindruckte Rezensent, liest der Leser auch hier ein "makelloses Deutsch" in einer "Klarheit und Dichte", das ihn allenfalls noch an Bismarck oder Helmut Schmidt erinnert. Weizsäcker liefere Betrachtungen aus erster Hand, was dem Buch einen besonderen Reiz und eine besondere Spannung verleihe. Als Beobachter und Beteiligter spare er nicht mit unerbittlicher Kritik an der Parteispendenaffäre Kohls, würdige aber auch gleichzeitig dessen Verdienste. Das Buch zeige in aller Deutlichkeit das Einfühlungsvermögen des "politischen Seniors", eine Qualität, an der es in der Politik deutlich mangelt, schreibt Lamprecht. Mit "preußischer Disziplin" gehe der Autor Verdiensten und Fehlleistungen in der Politik nach, sowohl in den eigenen Reihen als auch in denen der politischen Gegner der CDU.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.11.2001

Für Roderich Reifenrath hat Richard von Weizsäcker ein "kluges Buch über Staat und Politik geschrieben, frei von Zwängen, faulen Kompromissen, der CDU längst entschwebt, unbehelligt von geistigen Demarkationslinien, die es in allen Parteien gibt". Der Kritiker lobt, dass die drei Zeitabschnitten prägnant und ohne Umschweife dargestellt werden. Die geschichtlichen Zusammenhänge und die fundamentalen Gesetzmäßigkeiten der parlamentarischen Demokratie würden dem Leser auf "eingängige" und verständliche Art und Weise vermittelt. Die symbolisierende Einstufung "Die Stunde Null" akzeptiere Weizsäcker für die Jahre 1949 und 1989, aber nicht für das Jahr 1969, das für die demokratische Entwicklung der alten Bundesrepublik zwar entscheidend gewesen, aber von einer echten "Stunde Null" weit entfernt gewesen sei. Die Zustände der Republik innerhalb der vorgegebenen Zeiträume, werden dem Leser in einer "runden Mischung aus Bilanz und Analyse, Ausblick, Geschichte und Persönlichem" näher gebracht, so Reifenrath. Obwohl das Buch von der "Tonlage" her eindeutig ein Alterswerk sei, fehle es ihm nicht an analytischer Scharfsicht, sprachlicher Ausdruckskraft und Geistesgegenwart, lobt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001

Jan Ross hat für das neue Buch des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker drei Lesarten entdeckt. Zunächst einmal ist da der deutsche Chronist und europäische Staatsmann, der anhand der Eckdaten 1949, 1969 und 1989 Brüche und Kontinuitäten in der jüngeren deutschen Geschichte untersucht. Die zweite Facette zeige den politischen Kritiker Weizsäcker, interpretiert der Rezensent, der jüngste Skandale auch in den Reihen der eigenen Partei - Kohls Spendenskandal oder Kochs Wahl zum Ministerpräsident von Hessen - deutlich zur Sprache bringe. Das Buch wäre, so Ross, auf "kultivierte Weise langweilig", wenn der Autor nicht so erfrischend und mit scharfem Blick fürs Wesentliche geschrieben hätte, denn den Ruf eines "Unionsdissidenten" habe sich Weizsäcker schon lange vor diesem Buch erworben. Die dritte Facette zeichnet den Autor als politischen Soziologen aus, meint Ross, der die Parteienlandschaft und die Haltungen in der Bevölkerung einer reflektierten Analyse unterzieht. Für Ross ist dieses Buch ein beeindruckendes Dokument geistiger Unabhängigkeit, und Weizsäcker ein Mensch, der diese intellektuelle Flexibilität nicht nur als Politiker, sondern auch als Autor bewiesen habe.