Hermann Rudolph

Richard von Weizsäcker

Eine Biografie
Cover: Richard von Weizsäcker
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783871346675
Gebunden, 288 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Richard von Weizsäcker gehört zu den herausragenden deutschen Politikern der Nachkriegszeit und zu den wenigen, die weltweit Gehör gefunden haben. Sein Wirken als Bundespräsident hat, nicht zuletzt durch die Rede zum vierzigsten Jahrestag des Kriegsendes, Maßstäbe gesetzt, er selbst ist zu einer geistig-moralischen Autorität geworden. Hermann Rudolph, Herausgeber des "Tagesspiegel", begleitet den Lebensweg Richard von Weizsäckers seit Jahrzehnten. Daraus erwachsen ist diese Biografie. Der Autor schildert nicht nur Weizsäckers Familiengeschichte, seine Herkunft aus dem württembergischen Bildungsbürgertum, sondern auch die Erlebnisse des jungen Soldaten im Russlandfeldzug, seine Karriere in der Wirtschaft und sein kirchliches Engagement, die beide in eine glänzende politische Laufbahn mündeten: erst als Regierender Bürgermeister von Berlin, dann als ein Bundespräsident, der dem obersten Staatsamt ein Gewicht und eine Ausstrahlung gegeben hat wie außer ihm nur noch Theodor Heuss.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2010

Ein Buch ohne eigene Botschaft musste Franziska Augstein da lesen. Dabei hätte der Anlass (von Weizsäckers neunzigstem Geburtstag) sicher etwas mehr Mühe gerechtfertigt, so legt die Rezensentin dem Leser ihrer Kritik nahe. Dass Hermann Rudolph sich für seine Weizsäcker-Biografie reichlich und ohne Fußnoten bei den Erinnerungen des Altbundespräsidenten bedient, wie Augstein feststellt, ist eigentlich unerhört. Zumal, wenn es so offensichtlich geschieht. Augstein entdeckt dieselben zitierten Autoren, dieselben Episoden, ja sogar einen ähnlichen Aufbau und belegt dies auch. In diesem Fall aber greift die Rezensentin dann doch lieber zum "konkreteren" Original.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2010

Rezensent Rainer Blasius bespricht die drei Biografien auf einmal, mit denen Altbundespräsident Richard von Weizsäcker zu seinem neunzigsten Geburtstag von den beiden Journalisten Hermann Rudolph und Gunter Hofmann sowie seinem einstigen Mitarbeiter Friedbert Pflüger bedacht wird. Allen drei Biografien gemein ist seiner Ansicht nach, dass sie flott geschrieben sind, dass sie weder dienstliche noch private Unterlagen aus Weizsäckers Archiv heranziehen und dass sie weidlich aus einem von Heribert Schwan und Werner Filmer herausgegebenen Sammelband schöpfen. Die vom Tagesspiegel-Herausgeber Hermann Rudolph verfasste Biografie bezeichnet Blasius als die "konventionellste" unter den drei Neuerscheinungen. Er sieht Weizsäcker hierin als freisinnigen Politiker dargestellt, als "Zeitzeugen und Deuter in einem". Dabei betrachte Rudolph Weizsäckers Beteuerungen mit Skepsis, sein Vater Ernst von Weizsäcker, unter Hitler Staatssekretär im Auswärtigen Amt, habe von der Judenvernichtung nichts gewusst und wollte in seinem Amt nur Schlimmeres, zumindest aber einen Krieg gegen die Westmächte, verhindern, wie Rezensent Blasius darstellt. Bemerkenswert auch Rudolphs Beobachtung, dass Weizsäcker, der in den Achtzigern einen wichtigen Gegenpol gegen Bundeskanzler Kohl darstellte, mit dem Mauerfall seine "orientierende Kraft" einbüßte.