Ludwig Klages (1872-1956) ist einer der Hauptvertreter der Lebensphilosophie im 20. Jahrhundert sowie der Begründer der wissenschaftlichen Graphologie. Eine besondere Bekanntheit erreichte er mit seinem provozierenden Hauptwerk "Der Geist als Widersacher der Seele" (1929-32), einem der letzten umfassend-systematischen philosophischen Entwürfe in Deutschland, und seinem Aufruf "Mensch und Erde" (1913), einer scharfen Kritik der Naturzerstörung, die ihn heute als Vordenker der Ökologiebewegung erscheinen lässt. Ausgehend von Klages' Bedeutung für ein Naturverständnis, das auch eine "ganzheitliche" und heidnisch-religiöse Dimension einschließt, erläutert Reinhard Falter die wichtigsten Aspekte von Klages' Philosophie, behandelt diese in ihrem Zusammenhang mit Lebensphilosophie, Phänomenologie und Kulturkritik der Zeit und erläutert ihre Relevanz für die Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.01.2004
Der Philosoph Ludwig Klages ist heute mehr ein Gerücht denn ein Klassiker - und noch dazu nicht gerade von allerbestem Ruf, erklärt der "upj." zeichnende Rezensent. Dass die Einsortierung als "Kryptofaschist" allzu einseitig, wenn nicht falsch ist, versuche der Historiker Reinhard Falter in seiner Studie nachzuweisen. Zudem seien der "lebens- und naturphilosophische" Hintergrund der Klagesschen Gedankenwelt und seine entschiedene "Zivilisationskritik" womöglich sogar ein guter Anlass, den Autor wiederzuentdecken. Diese Wiederentdeckung, konstatiert der Rezensent, ist wenigstens dem Autor des Bandes durchaus gelungen. Die "Dichte" der Darstellung sei bestechend.
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