Martin Seel

111 Tugenden, 111 Laster

Eine philosophische Revue
Cover: 111 Tugenden, 111 Laster
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783100710116
Gebunden, 285 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Tugenden und Laster sind sich näher, als man glaubt. Wie tanzende Paare drehen sie sich umeinander, stoßen sich ab, um sich wieder eng zu umschlingen. In ihren Bewegungen sind sie oft nicht voneinander zu unterscheiden und bringen die eigene Lebensführung ins Wanken. Wie leiten und verleiten sie uns im gegenwärtigen Handeln? Martin Seel lässt in seiner philosophischen Revue 111 Tugenden und Laster in kurzen Skizzen auftreten und zielt auf ein genaues Verständnis ihrer internen Affären. Sein Ziel: Der Mensch möge sein endliches Dasein mit einem wachen Gespür für sein Bestes verbringen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.01.2012

Der hier rezensierende Philosoph Dieter Thomä schätzt seinen Kollegen Martin Seel als den "großen Stilisten" der Zunft und hat auch dieses Buch sehr gern gelesen. Nach Thomäs Darstellung löst Seel darin Kierkegaards kategorisches "Entweder - Oder" durch ein "Sowohl - Als auch" ab. Auch wenn das schrecklich unentschieden klingt, Thomä versichert, dass Seel nicht der Beliebigkeit Bahn bricht, sondern der Ambivalenz. So beschreibe Seel sehr überzeugend etwa die negativen Aspekte von Unbefangenheit, Selbsterkenntnis oder Gerechtigkeit, während er dem Opportunismus dagegen durchaus Positives abgewinnen kann. Zwei Einwände erhebt der Rezensent allerdings gegen das Buch. Zum einen erscheint es ihm ein bisschen theoretisch und lebensfern, zum anderen fragt er sich, warum Frömmigkeit und Anmut so ausgesprochen gut wegkommen. Aber alles in allem lässt er sich dieses "Plädoyer für das selbstbestimmte Leben" gern gefallen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2011

Klüger und weiser ist Rezensent Michael Pawlik nach der Lektüre von Martin Seels Versuch, Tugend und Laster miteinander ins Gleichgewicht zu bringen. Seels Buch bezeichnet Pawlik als selten geglückte Balance zwischen Alltagsratgeber und fachgerechter Philosophie, die er zudem gut durchdacht und so elegant wie unprätentiös geschrieben findet. Wie der Autor, für Pawlik unschwer als Aristoteliker erkennbar, dessen Phänomenologie beider Begriffe radikaler fasst, indem er die Ambivalenz in den Tugenden selbst verortet, ohne dabei ihre Unterscheidung zu eliminieren, das zeugt für den Rezensenten von philosophischer Meisterschaft.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.10.2011

Oliver Müller atmet auf, das Laster hat seine guten Seiten. Soviel kann ihm Martin Seel in gewohnt eleganter und verspielter Weise, aber doch mit akademischem Background beweisen. Kehrseite: Die Tugend ist nicht immer ohne lasterhaftes Element. Seels Anliegen, Laster und Tugend ihrer angestammten Hierarchisierung zu entreißen und ihre Ambivalenz zu erweisen, gelingt laut Müller dank sorgfältiger Dramaturgie und stimmigem Umgang mit Übervätern der Moralphilosophie. Allerdings ist Seel wie Müller klar: Die Auswechselbarkeit hat Grenzen, Grausamkeit hat keine gute Seite.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2011

Mit Vorfreude hat Michael Schefczyk Martin Seels Betrachtung von Tugenden und Lastern zur Hand genommen, und ihm hat der Einfall, seine Reflexionen als Nummernrevue zu gestalten, ganz offensichtlich zugesagt. Der Autor wendet sich gegen die herrschende Vorstellung, Tugenden und Laster seien "entgegengesetzte" Eigenschaften und auch mit der aristotelischen Bestimmung der Tugend als die Mitte zwischen zwei Lastern hält er es nicht, stellt der Rezensent fest. Für Seel bilden Tugenden und Laster vielmehr ein dichtes "Netzwerk", erfahren wir. Der Rezensent hat im Verlauf dieses vom Autor als "eine Art Musical" vorgestellten Unterfangens so manch treffende "Pointe" und schöne Erkenntnisse entdeckt und fand diese Tugend-Laster-Lehre alles in allem kurzweilig und erhellend. Nicht ganz anfreunden konnte er sich mit dem "apodiktischen Ton", der allzu oft schlicht behauptet, statt zu argumentieren und etwas "Selbstironie" hätte dieser "Morality-Show" auch gut getan, so Schefczyk insgesamt aber recht angetan.

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