Aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben von Manfred Pfister. Mit Illustrationen von Judith Schalansky. Es gibt wohl kaum einen glanzvolleren Vertreter des wilden Denkens als Thomas Browne, der mit all seinen Schriften so unerschrocken wie obsessiv das Schattenreich zwischen Wahrheit und Unwissen, Fakten und Fiktionen erforscht. Während er in seiner Pseudodoxia Epidemica sich seuchenhaft verbreitende Irrtümer systematisch widerlegt und in seiner radikalen Selbstbefragung Religio Medici gewissenhaft den eigenen Glauben befragt, bietet seine Abhandlung Hydriotaphia eine melancholische Meditation über das Vergehen, über Bestattungsriten und den unausweichlichen Tod, der Browne als praktizierendem Arzt nur allzu gut vertraut war. Nicht selten ist es das Abseitige und Absonderliche, dem Brownes grenzenlose Wissbegier gilt, wie im legendärem Musaeum Clausum, dem phantastischen Verzeichnis eines imaginären Kuriositätenkabinetts, oder auch im wundersamen Garten des Cyrus, eine an den Wildwuchs des Wahnsinns grenzende Suche nach einer der Schöpfung zugrundeliegenden Matrix, die die Welt im Innersten zusammenhält. Eigene Erfahrung verbindet sich bei Browne nahtlos mit enzyklopädischer Belesenheit und virtuoses Einfallsreichtum mit einem unverwechselbaren, vielgerühmten Stil. Die wichtigsten Werke des Universalgelehrten werden hier zum ersten Mal auf Deutsch einem größeren Publikum zugänglich gemacht, kundig kommentiert von Manfred Pfister, dessen meisterhafte Übertragung erfahrbar macht, warum Brownes luzide, barocke Prosa zur schillerndsten und melodiösesten der Weltliteratur gezählt wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2023
Rezensentin Verena Lobsien lässt sich gerne ein auf dieses Füllhorn mit Schriften des englischen Autors Thomas Browne. Dessen wildes, wenngleich geduldiges Denken und Schreiben über Wissenschaftliches, Volkstümliches oder Autobiografisches erscheint Lobsien als erstaunliche Entdeckung. Ob Browne nun erfundende Tiere, Begräbniskulturen, Gartenbau oder den Glauben denkend umkreist, die Wege und Irrwege des Autors findet Lobsien anregend und unterhaltsam. Die Edition mit Manfred Pfisters Übersetzung und Kommentar und Judith Schalanskys Illustrationen lobt Lobsien als "exzellent".
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