Matthias Brandt

Blackbird

Roman
Cover: Blackbird
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2019
ISBN 9783462053135
Gebunden, 288 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Mit zwei Flaschen Amselfelder auf dem 10-Meter-Brett. Als der 15-jährige Morten Schumacher, genannt Motte, einen Anruf bekommt, ist in seinem Leben nichts mehr, wie es einmal war. Sein bester Freund Bogi ist plötzlich sehr krank. Aber das ist nur eine der herzzerreißenden Explosionen dieses Jahres, die in Matthias Brandts Roman "Blackbird" Mottes Leben komplett auf den Kopf stellen. Kurz danach fährt Jacqueline Schmiedebach vom Einstein Gymnasium auf einem Hollandrad an ihm vorbei, und die nächste Erschütterung nimmt ihren Lauf. Zwischen diesen beiden Polen, der Möglichkeit des Todes und der Möglichkeit der Liebe, spitzen sich die Ereignisse immer weiter zu, geraten außer Kontrolle und stellen Motte vor unbekannte, schmerzhafte Herausforderungen. Doch zum richtigen Zeitpunkt sind die richtigen Leute an Mottes Seite und tun genau das Richtige. Und er selbst schaut den Dingen mutig ins Gesicht, mit scharfem Blick und trockenem Witz. Die Figuren wird man nicht mehr vergessen, die Schornsteinfegerin Steffi, Elvis, den lebensklugen Bademeister mit den langen Koteletten, Neandertal-Klaus, und selbst den lustbetonten Sozialkundelehrer Meinhardt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.08.2019

Rezensent Martin Oehlen mochte schon Matthias Brandts Erzählband "Raumpatrouille". Brandts Debütroman steht dem in nichts nach, versichert der Kritiker, der sich von dem Autor einmal mehr in die bundesrepublikanischen Siebziger entführen lässt. Er folgt hier dem fünfzehnjährigen Motte, dessen bester Freund plötzlich an Krebs stirbt, der aber dennoch auch mit ganz normalen (Pubertäts-)sorgen wie der ersten Liebe, der Scheidung der Eltern oder Schule zu kämpfen hat. Wie Brandt den Umgang seines "sympathischen" Helden mit dem Sterben des Freundes in "Etappen" schildert und dabei die Farben der Siebziger in den Erzählhintergrund "tupft", findet Oehlen "kurzweilig und geschmeidig". Und so verzeiht er gern, dass die ein oder andere Formulierung ein wenig kitschig gerät.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 24.08.2019

Auch denen, die glauben, keine Comig-of-Age-Bücher mehr sehen zu können, versichert Rezensent Elmar Krekeler: "Blackbird" sei einer der wenigen Romane, die einen halbwegs mit der Pubertät versöhnen können, ein bisschen wie Herrndorfs "Tschick".  Motte wächst als Jugendlicher in den Siebzigern der BRD auf, bekommt aber von den äußeren Umwälzungen rein gar nichts mit, sondern ist beschäftigt mit seinem eigenen Kosmos, in dem der Vater die Familie verlässt und der beste Freund mit Non-Hodgkin-Lymphom im Krankenhaus dahinvegetiert, fasst der Kritiker die Handlung zusammen. Aber Motte hält sich die Wirklichkeit mit schnoddrigen Witzen, Musik, skurrilen "Übersprungsdenkhandlungen" und zuletzt auch Amselfelder-Wein, der dem Roman laut Krekeler seinen Titel verlieh, so charmant vom Leib, dass der Rezensent selten eine so schöne Wiedererzählung der ewigen Geschichte "von Freundschaft und Liebe, Trost und Tod" gelesen hat.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 23.08.2019

Matthias Brandts Debütroman ist keine klassische Coming-of-Age-Story, auch wenn es hier natürlich um das Erwachsenwerden in den miefigen bundesrepublikanischen Siebzigern geht, warnt Wiebke Porombka in ihrer kurzen Kritik vor. Vielmehr liest die Rezensentin ein "zartes, brutal trauriges" und trotzdem auch "knallkomisches" Buch über den Umgang mit dem Tod: Erzählt wird die Geschichte von Motte, dessen bester Freund nur ein Dreivierteljahr nach seiner Krebs-Diagnose stirbt und den Motte zunächst begleitet, bis er den Alltag plötzlich allein meistern muss. Wie Brandt die von "Gesprächigkeit überdeckte Sprachlosigkeit" beschreibt, findet Porombka bemerkenswert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.08.2019

Rezensent David Hugendick begegnet "Pissnelken, Sack- und Kackfressen" und "Nazisportlehrern " im Debütroman von Matthias Brandt, der ihm von einer Jugend in den Siebzigern und den ersten Kippen, Küssen und vom Kotzen erzählt. Das erscheint dem Kritiker alles auch ganz nett, aber weder neu noch sprachlich besonders ausgefeilt. Dennoch: Es gibt schlechtere Debüts, meint er.