Der Hundertjährige Krieg um Palästina
Eine Geschichte von Siedlerkolonialismus und Widerstand

Unionsverlag, Zürich 2024
ISBN
9783293006034
Gebunden, 384 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Lucien Leitess. Mit einem Nachwort zum Erscheinen der deutschen Ausgabe. Der Bürgermeister von Jerusalem, Yusuf Diya al-Khalidi, schrieb 1899, beunruhigt über die Forderung nach einer jüdischen Heimstätte in Palästina, einen Brief an Theodor Herzl: Das Land habe eine einheimische Bevölkerung, die ihre Vertreibung nicht akzeptieren würde. Er schloss mit den Worten: "In Gottes Namen, lasst Palästina in Frieden." So beginnt Rashid Khalidi, der Groß-Großneffe von al-Khalidi, diese Gesamtdarstellung des Konflikts aus palästinensischer Perspektive. Rashid Khalidi stützt sich auf eine Fülle von unerschlossenem Archivmaterial. Er zeichnet die Geschichte eines hundertjährigen Kolonialkriegs gegen die Palästinenser nach und legt den Finger auch auf die Fehler der palästinensischen Führung.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2024
Rezensent Eckhard Jesse kritisiert das Buch des amerikanisch-palästinensischen Historikers Rashid Khalidis über die historischen Ursachen des Nahostkonflikts als unfair. Zwar findet er die erzählerische Herangehensweise Khalidis, der neben Archivmaterial auch Erlebnisse seiner Familie in den Text einbaut, anschaulich, doch hätte er sich mehr Analyse und Differenziertheit gewünscht. Khalidis Wahrnehmung findet er selektiv, etwa wenn der Autor Israel durchgängig als agierenden, Palästina als reagierenden Akteur im Konflikt darstellt. Khalidi ist für Jesse ein eindeutiger Fürsprecher der Palästinenser. Diese Position des Autors muss der Leser sich klarmachen, meint er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2024
Den Nahostkonflikt aus palästinensischer Perspektive rekonstruiert dieses Buch Rashid al-Khalidis laut Rezensent Alexander Flores. Der Autor, Ururgroßneffen eines ehemaligen Bürgermeisters Jerusalems zu Zeiten des Osmanischen Reichs, beschreibt, so Flores, die Auseinandersetzung als eine Landnahme jüdischer Siedler in einem vormalig hauptsächlich arabischen Gebiet und unterscheidet dabei sechs Etappen, deren erste das Jahr 1917 mit der Balfour-Deklaration markiert. Das weniger streng wissenschaftlich als erzählerisch aufgebaute und mit persönlichen Erinnerungen durchsetzte Buch zeichnet nach, wie die Zionisten anfangs auf Großbritannien, später mehr und mehr auf die USA als Bündnispartner setzten. Den weiteren Konflikt beschreibt al-Khalidi Flores zufolge als Fortführung der Dominanz der jüdisch-israelischen Seite, das Friedensabkommen von Oslo etwa kommt für ihn, führt Flores aus, einer Kapitulation der palästinensischen Seite gleich. Auch Kritik am Vorgehen der Palästinenser, etwa hinsichtlich einer einseitigen Fokussierung auf Gewalt, kommt im Buch vor, lesen wir bei Flores. Einen Lösungsvorschlag hat auch al-Khalidi nicht, schließt der sich einer inhaltlichen Wertung enthaltende Rezensent, aber er legt Wert darauf, dass die beiden Konfliktparteien sich gegenseitig tolerieren müssen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.06.2024
Der hier rezensierende Islamwissenschaftler Reinhard Schulze findet die Lektüre der deutschen Fassung von Rashid Khalidis Buch von 2020 ermüdend. Nichts Neues (auch im Nachwort nicht) bietet der Palästinahistoriker, nicht die erhoffte Revision seiner Meinungen angesichts jüngster Entwicklungen. So bleibt der Band für Schulze vor allem dies: eine so radikale wie blockierte Positionsbestimmung in der Palästina-Frage. Dass der Autor ohne analytische Verfahren, Hypothesen und Schlussfolgerungen arbeitet, wenn er mit dem Terminus des Hundertjährigen Krieges hantiert, scheint Schulze enttäuschend. So gerät das Buch zur verschwörungstheoretischen Darstellung, in der Imperialisten und Zionisten Palästina unterworfen hätten. Kritisch wird der Autor nur in Sachen PLO, so Schulze, das ist zu wenig, zu selektiv, findet er.