Rana Dasgupta

Delhi

Im Rausch des Geldes
Cover: Delhi
Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783518424575
Gebunden, 462 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Barbara Heller und Rudolf Hermstein. Im Dezember 2000 zieht Rana Dasgupta nach Delhi, weil dort die Frau lebt, die er liebt und landet in einem Moloch, der direkt der Phantasie von Zola, Brecht oder Scorsese entsprungen sein könnte. Die wirtschaftliche Öffnung Indiens im Jahr 1991 hat Kräfte entfesselt, die seither mit der Gewalt einer Naturkatastrophe über die Stadt und ihre Einwohner hinwegfegen: Kapitalistische Räuberbarone stecken aggressiv ihre Claims ab, Bargeld wird lastwagenweise durch die Straßen gekarrt, Premierminister Manmohan Singh, der einst die Liberalisierung des Landes angestoßen hat, lässt beim lokalen Lamborghini-Händler anrufen. Er kann nicht mehr schlafen, seit die Nouveaux Riches vor seiner Residenz ihre Luxuskarossen ausfahren.
Dasgupta schildert die Welt hinter den Fassaden der scheinbar endlos nach oben weisenden Wachstumsraten. Er trifft Milliardäre und Slumbewohner, Drogendealer und Metallhändler, Sozialarbeiter und Gurus und stellt fest, dass in der Heimat seiner Vorfahren heute vor allem eines regiert: das Geld. Ein eindrucksvolles Porträt einer Metropole im Rausch, das zugleich einen Vorgeschmack darauf gibt, wie die Stadt der Zukunft aussehen könnte.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.02.2015

Das bisschen Nostalgie bei der historischen Erkundung des alten Delhis lässt Katharina Granzin dem Autor gerne durchgehen. Hochinteressant findet sie den Kontrast zwischen Rana Dasguptas Darstellung des aus Gesprächen mit Superreichen und Slumbewohnern sich ergebenden mentalen Jetzt-Zustands seiner Wahlheimat und den vom Autor dazwischen gesetzten historischen Abschnitten. Das Gesamtbild aber schockiert Granzin eher, als dass es sie fasziniert. Delhi erscheint hier als Moloch der Hierarchien, in dem der Kapitalismus zu gesellschaftlichen Gegensätzen geführt hat, die der Rezensentin nur schwer erträglich sind.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.12.2014

Als Zukunft der Welt möchte Thorsten Glotzmann sich Delhi dann doch nicht verkaufen lassen. Die Reportage des in Delhi lebendenen Schriftstellers Rana Dasgupta hat es laut Rezensent allerdings dennoch in sich. Das liegt laut Rezensent an Dasguptas mitreißender Art zu erzählen, an seinen Kenntnissen der Mythologie und Geschichte Indiens, vor allem aber an den Geschichten von Raub, Kapital und Gewalt, die der Autor erzählt. Derart unter die Haut gehen sie, dass Glotzmann das Buch zwischendrin immer wieder beiseite legen muss, um dann doch wieder gebannt weiterzulesen, über Delhis neue Bourgeoisie, ihren immensen Luxus, das Leid der Slumbewohner und wie beides in der Stadt aufeinandertrifft. Wenn über diesen Erzählungen für Glotzmann eine verzweifelte Melancholie zu liegen scheint, so deshalb, weil der Rezensent trotz allem auch das Faszinierende dieser Metropole und ihrer Geschichte spürt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2014

Fulminant findet Rezensent Michael Radunski Rana Dasguptas Buch über Delhi. Dass jemand diese Stadt fassen könnte, hätte er nicht für möglich gehalten. Und doch: Der Autor, meint er, kommt mit seiner Mischung aus Interviewmaterial und literarischer Metaphorik diesem Mikrokosmos erstaunlich nahe. Als vom Geld getriebene Stadt seelischer und moralischer Verwüstung und Gewalt beschreibt ihm der Autor Delhi und erklärt diesen Zustand historisch mit der muslimischen Invasion und der Reaktion der Hindunationalisten sowie der Teilung Indiens. Etwas zu einfach findet Radunski, der in Delhi viel mehr erkennt, als das Ergebnis von Flucht und Vertreibung. Dennoch gefällt ihm das Buch. Nicht zuletzt auch, weil der Autor sich trotz allem einen Blick für die kleinen Schönheiten der Metropole bewahrt.