Klappentext

Kein Name verkörpert das Drama der deutschen Wirtschaft im 20. Jahrhundert klarer als der Name Flick. Zweimal folgte dem beispiellosen Aufstieg der politische und moralische Bankrott. Unter vier politischen Systemen, vom späten Kaiserreich über die Weimarer Republik und das Dritte Reich bis in die Bundesrepublik, war Flick erfolgreich- und scheiterte doch auf ganzer Linie. Was ihm vorschwebte, war ein gewaltiger Konzern, der generationenübergreifend in Familienbesitz bleiben sollte. Aber nach dem Vater versagten die Söhne. Die Techniken, mit denen das Haus Flick politischen Einfluss nahm, um seine unternehmerischen Ziele zu erreichen, waren seit den Zwanzigerjahren auf verhängnisvolle Weise gleich geblieben. Auf die sich verändernden Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik fand der Konzern keine passenden Antworten mehr und ging im Strudel des Parteispendenskandals der Achtzigerjahre unter. Sein Gründer aber blieb bis heute ein Symbol unternehmerischer Skrupellosigkeit und unverstandener Schuld.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2009

Ist es sinnvoll, den in den letzten Jahren erschienenen ausführlichen und alle verfügbaren Quellen erschließenden Flick-Darstellungen eine weitere hinzuzufügen? Unbedingt, meint der Rezensent Günther Schulz, wenn es nämlich wie im vorliegenden Band geschieht. In der Konzentration nämlich nicht auf die Geschichte des ganzen Konzerns, sondern auf die Figur Friedrich Flicks, der, anpassungsfähig und -bereit wie nur einer, gleich drei Unternehmerkarrieren schaffte, in Weimar, im Dritten Reich wie dann auch in der Bundesrepublik. Originell findet der Rezensent vor allem die Darstellung der SED-Propaganda, die Flick zum "Sinnbild des kalt berechnenden Monopolkapitalisten" machte. "Bedrückend" sei, was über Familienangelegenheiten zu lesen ist. Trotz generellen Lobs für das Buch vermisst Schulz doch eines ganz ausdrücklich: eine Auseinandersetzung mit Flick aus der Perspektive der "Unternehmertheorie".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.09.2009

Ziel erreicht. Laut Rezensent Jürgen Jeske hat die Auftraggeberin dieser Studie über Flick, die Flick-Erbin Dagmar Ottmann, geborene Flick, ihre Idee einer Parallelisierung von Firmengeschichte und nationaler Mentalitätsgeschichte hiermit verwirklicht. Jeske gibt dazu zu verstehen, dass ihm der von vier Historikern um Norbert Frei erstellte Band in gewisser Weise überflüssig erscheint. Nicht nur präsentiere er im Vergleich zu den beiden 2007 und 2008 erschienenen großen Flick-Büchern außer einer flotteren Schreibe nichts Neues zu Leben und Werk des alten Flick und zur Konzerngeschichte. Seine "gesellschaftspolitische Stoßrichtung", der Versuch, Flick als paradigmatisch für die deutsche Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts zu zeigen, findet Jeske außerdem fragwürdig.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.09.2009

Bei diesem "anschaulichen" wie weit ausgreifenden Buch handelt es sich aus Sicht von Rezensent Rüdiger Jungbluth um nichts weniger als eine Jahrhundertgeschichte. Und um den gelungenen Versuch, die wechselvolle Geschichte Friedrich Flicks, seiner Unternehmen und seiner Nachfahren "zu durchleuchten" und dabei ihn als Unternehmer stets ernstzunehmen. Nach zwei vorangegangenen Flick-Publikationen sei diese nun die - auch für den "gewöhnlichen Leser" - gewinnbringendste. Im Zentrum stehe Friedrich Flick, werde sein Aufstieg durch Kaiserzeit, Weimarer Republik bis in die Nazizeit verfolgt. Seine Rolle in den Nürnberger Prozessen dargestellt, wo er zur Symbolfigur des skrupellos mit dem Nationalsozialismus paktierenden Kapitalismus geworden sei. Auch das "fulminate Comeback" Flicks in der Wirtschaftswunder-BRD findet Jungbluth glänzend beleuchtet. Wobei der stärkste Teil des Buchs aus seiner Sicht in "einer Art Essay" über Flicks Persönlichkeit besteht. Auch die blassen Nachkommen werden dem Rezensenten zufolge behandelt, darunter auch die von ihnen verantwortete Parteispendenaffäre in den 70er Jahren. Hier vermisst der Rezensent allerdings Informationen über den Ausgang des Gerichtsverfahrens. Interessant auch die Information, dass das Buch mit finanzieller Unterstützung der Flick-Enkelin Dagmar Ottmann entstanden ist.