Der Flick-Konzern im Dritten Reich

Cover: Der Flick-Konzern im Dritten Reich
Oldenbourg Verlag, München 2008
ISBN 9783486586831
Gebunden, 1018 Seiten, 64,80 EUR

Klappentext

Herausgegeben durch das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin im Auftrag der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Von Johannes Bähr, Axel Drecoll, Bernhard Gotto und anderen. Der Flick-Konzern steht wie kein anderes Unternehmen für die enge Verbindung zwischen Wirtschaft und NS-Regime. Sein Wachstum wurde während des Dritten Reiches von kaum einem Unternehmen übertroffen. Er profitierte in großem Ausmaß von Arisierungen , war einer der bedeutendsten Rüstungsproduzenten und beschäftigte zehntausende Zwangsarbeiter. Die Führungsfiguren des Konzerns wurden dafür vor dem Internationalen Militärtribunal in Nürnberg zur Verantwortung gezogen und verurteilt. Die Autoren legen die ökonomische Strategie dieses Unternehmens offen, analysieren seine internen Strukturen und Lobbyingmethoden und können so zeigen, wie und warum der Flick-Konzern zu einem engen Partner des NS-Regimes wurde. Ein Editionsteil mit 47 Dokumenten ergänzt die Konzerngeschichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2009

Rundum positiv wertet Rezensent Günther Schulz diese Studie über den Flick-Konzern in der Zeit des Nationalsozialismus, die Johannes Bähr, Axel Drecoll, Bernhard Gotto, Kim C. Priemel und Harald Wixforth verfasst haben. Er würdigt die umfangreichen Recherchen der Autoren in 39 Archiven von fünf Staaten und lobt ihre Darstellung als "nüchtern", "differenziert" sowie "methodisch und empirisch" überzeugend. Untersucht werden u.a. die Grundsätze, Strategien, Motive und Ziele der Unternehmensführung, die Zusammenarbeit mit dem nationalsozialistischen Regime, aber auch die Frage nach der Verantwortung, der juristischen "Aufarbeitung" von Zwangsarbeit, "Arisierungen" und Ausplünderung besetzter Gebiete. Ausführlich geht Schulz auf die Expansionspolitik des Konzerns ein, auf den Profit aus der "Arisierungspolitik" und den Einsatz von Zwangsarbeitern und auch auf Flicks Erfolgsgeheimnis. Dieser erscheint ihm als "bedenkenloser Netzwerker". Die Strategie Flicks, sich nach dem Krieg als Opfer staatlichen Zwangs darzustellen, wird nach Ansicht von Schulz von den Autoren "dekonstruiert". Deutlich wird für ihn: "Flick war weder Hexenmeister, der die nationalsozialistischen Geister nach seiner kapitalistischen Pfeife tanzen ließ, noch Opfer staatlichen Zwangs, sondern in spezifischer Art von beidem etwas."
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.07.2008

Sehr eingehend widmet sich Rezensentin Brigitte Werneburg dieser Studie über den Flick-Konzern, die die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Auftrag gegeben hat, da die Kritik an ihrer Zusammenarbeit mit der Sammlung des Erben F.C. Flick in Berlin nicht verstummen wollte. 500.000 Euro zahlte Flick für die Untersuchung durch das Münchner Institut für Zeitgeschichte. Die Ergebnisse überraschen die Rezensentin noch einmal, auch wenn sie sich keinerlei Illusionen über die Skrupellosigkeit des Unternehmers Friedrich Flick hingegeben hatte. Was die Studie jedoch zeigt, ist, dass Flick nicht einfach nur ein Geschäftsmann war, der ruchlos - oder gar gerissen? - unter allen Regimes gleich viel Geld machte. Nein, mit den Nazis konnte er dies ganz besonders gut. So ließ er etwa 1938 seinen Anwalt einen Gesetzesentwurf zur Enteignung jüdischen Vermögens formulieren, wie Werneburg entsetzt berichtet, der die bisherige Handhabung radikalisiert. Widerlegt sieht die Rezensentin auch die Behauptung, die Zwangsarbeiter des Flick-Konzerns hätten es doch gut gehabt. Zu der Studie selbst sagt sie noch, dass sich ihres Gegenstands thematisch, nicht chronologisch annimmt, was sie konzentrierter mache.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.07.2008

Franziska Augstein macht auf den Unterschied aufmerksam zwischen einer auf ethisch-moralische Gesichtspunkte konzentrierten und einer auf das Profitstreben eines Unternehmens zielenden Geschichtsschreibung. Das vorliegende, von gleich fünf Historikern verfasste Buch über das Flick-Imperium in Nazideutschland rechnet sie der zweiten Kategorie zu und weist darauf hin, dass die vorgetragenen Unterschiede, etwa zwischen konkreten Vorteilen beziehungsweise günstigen Bedingungen für den Konzern durch Kollaboration, von "ethischer Warte" aus gesehen kaum ins Gewicht fallen. Den Glauben an den Nationalsozialismus, stellt sie fest, könnten die Autoren, die diesbezüglich auf die Quellenlage verwiesen, dem Unternehmer Friedrich Flick nicht nachweisen, dafür jedoch den "unternehmerischen Sündenfall". Wie das in diesem Buch geschieht, findet die Rezensentin so sorgfältig und umfassend wie unterhaltsam.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.07.2008

Als gelungenen Teil eines großen Aufarbeitungsprojektes begreift der hier rezensierende Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe diesen von einer Arbeitsgruppe des Münchener Instituts für Zeitgeschichte herausgegebenen Band zur Geschichte des Flick-Konzerns im Dritten Reich. Plumpe erwähnt die schwierige Quellenlage und staunt über die Dichte der Darstellung und das entstandene umfassende Bild. Flick erscheint darin als gerissener, skrupelloser Taktiker, tief verstrickt in die Verbrechen der Nazis, in Arisisierung und Zwangsarbeit. Besonders gut gefällt Plumpe, wie die Autoren über das Konstatieren und moralische Bewerten hinaus versuchen, Besonderheiten der Person Flick herauszuarbeiten und die Ereignisse in die Unternehmensentwicklung einzuordnen. Darüber hinaus erfährt der Rezensent viel über die Verflechtungen von Politik und Wirtschaft im Namen einer "Ökonomie der Zerstörung".
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