Die Familie steht einem Medienimperium der Superlative vor: Random House ist größter Buchverlag der Welt, RTL größter Fernsehanbieter Europas, Gruner+Jahr größter Zeitschriftenverlag Europas. Nach der Fusion mit Sony kommt jede vierte CD von BMG. Die Erfolgsgeschichte begann vor mehr als 175 Jahren mit einer Handpresse, mit der Carl Bertelsmann seine ersten protestantischen Liederbücher druckte. Die Erben, die seit 1887 Mohn heißen, machten aus dem Provinzverlag ein weltumspannendes Medienimperium. Thomas Schuler erzählt die Geschichte der unsichtbaren Medienmogule aus Gütersloh. Er zeigt, wie Frömmigkeit, ein strenges Arbeitsethos und eine gehörige Portion Kälte und Opportunismus die Mohns an die Weltspitze führten - und welche Gräben der Erfolg in der Familie riss. Schuler fördert Konflikte zutage, die hinter der Fassade schwelen: Die Kämpfe um Reinhard Mohns Nachfolge haben längst begonnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2004
Thomas Schulers Biografie ist, staunt Marcus Theurer, das erste Buch, das sich "umfassend" mit dem Aufstieg des kleinen nordrhein-westfälischen Familienverlags der Mohns zum weltweit agierenden Medienkonzern Bertelsmann beschäftigt. Dabei fördert der Autor vor allem die Diskrepanzen zwischen der offiziellen, vom "sendungsbewussten" "Konzern-Partriarchen" Reinhard Mohn vehement vertretenen Firmenphilosophie, deren Kern das Credo Leistung statt Familienbande sei, und dem tatsächlichen Führungsstil Mohns zu Tage, berichtet der Rezensent. Schuler versammle zahlreiche Beispiele, die deutlich machen, dass Bertelsmann schon immer ein "normaleres" Familienunternehmen war, als Reinhard Mohn zu vermitteln suche: angefangen bei dem ehemaligen Generalbevollmächtigten Manfred Köhnlechner, der zu "eigenmächtig handelte", über den Konzernchef Thomas Middelhoff, bis zum Aufsichtsratschef Schulte-Hillen - die Überwerfungen mit ihnen zeugten immer wieder davon, dass der proklamierte unternehmerische Freiraum für Führungskräfte im Konzern faktisch beschränkt ist, so Theurer. Damit relativiert Schulers "interessante" Biografie auch die zuletzt in den Medien "dominierende These", erst mit Reinhard Mohns zweiter Frau Liz habe die Familie die Macht bei Bertelsmann an sich gerissen, lobt der Rezensent.
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