Thomas Ramge

Die Flicks

Eine deutsche Familiengeschichte um Geld, Macht und Politik
Cover: Die Flicks
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783593374048
Gebunden, 288 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Waffen, Macht, Skandale - diese Stichworte beherrschen die Geschichte der einstmals reichsten deutschen Familie. Der Pakt mit Kaiser und NS-Staat begann für den Stahlkonzern jeweils mit riesigen Gewinnen und endete in Schutt und Asche. Mit dem Wirtschaftswunder lief das Zusammenspiel mit der Macht erneut wie geschmiert. Doch die Flick-Affäre stürzte die Familie Hand in Hand mit der politischen Klasse der BRD in eine tiefe Krise, das größte deutsche Privatunternehmen zerbrach im Familienstreit. Flick bleibt ein Reizwort: Wenn im kommenden Herbst die Flick-Collection in Berlin ihre Türen öffnet, wird die Vergangenheit der Familie erneut zum Thema.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2005

Geld, Macht, Abgründe - mit dieser Trias umreißt Rezensent Jürgen Dunsch die Geschichte der Unternehmerfamilie Flick, die im Dritten Reich bestens mit den Nationalsozialisten kooperierte, in den fünfziger Jahren eindrucksvoll das Wirtschaftswunder verkörperte und in den siebziger Jahren die Bonner Republik in den Parteispendenskandal stürzte. Trotz dieses Potenzials ist die Literatur über die Flick-Dynastie, abgesehen von parteiisch gefärbten Zeugnissen, bisher "auffallend spärlich". Mit seiner Darstellung der gesamten Flick-Familie schließt Thomas Ramge zur Erleichterung des Rezensenten diese "schmerzliche Lücke". Über das Buch selbst erfährt man allerdings nicht allzu viel, Dunsch berichtet lieber über den "alten" Flick, einen Mann, der "geschäftlich genial, politisch ein gnadenloser Opportunist und im Parteileben meist unausstehlich war". Ramges Buch findet Dunsch auf jeden Fall "lesenswert", auch wenn es mit Fehlern behaftet sei. Welche das sind, sagt uns Dunsch aber leider nicht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.10.2004

Rezensentin Claudia Schwartz stellt zwei Neuerscheinungen zur Flick-Debatte vor, die ihr allerdings beide nicht besonders hilfreich erscheinen. Thomas Ramges Familiengeschichte konzentriert sich auf den 1947 in Nürnberg wegen Kriegsverbrechen verurteilten Patriarchen Friedrich Flick, zeichnet aber trotzdem die historischen Linien einer Familie nach, die immer - egal ob unter Kaiser, Diktator, oder Demokraten - obenauf war. Das Buch trägt einen recht skandalisierenden Zug, was die Rezensentin noch hinnehmen würde, wäre er nicht von mangelnder Sorgfalt und inhaltlichen Widersprüchen begeleitet. Alles zusammen aber deutet für Schwarz auf einen eilig auf den Markt geworfenes Buch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.08.2004

Rezensent Rudolf Walther nennt diesen "Versuch" von Thomas Ramge zu einer Geschichte der Familie Flick "respektabel". Doch habe der Autor nichts wirklich Neues mitzuteilen. Zudem sei diese Synthese leider keine quellennahe Studie - während eine kritische Untersuchung "der Abgründe der Familiengeschichte der Flicks" doch gerade in Aussicht stehe: die Flick-Enkelin Dagmar Ottman hat den Historiker Norbert Frei damit beauftragt, erfährt man. Ramges Buch dagegen, rügt der Rezensent, genüge kritischen Ansprüchen nicht, es referiere vielmehr im wesentlichen, was Historiker und Journalisten bereits zusammengetragen haben. Schwerer wiegt für Walther allerdings noch, dass Ramges Buch "passagenweise nicht frei von apologetischen Zügen" sei. Während Ramge den wirtschaftskritischen Autor Bernt Engelmann, der die Familiengeschichte der Flicks schon 1968 und 1975 darstellte, abwertend als "Boulevardjounalist" bezeichne, seien diesem wenigstens, so der Rezensent, keine "Geschmacklosigkeiten und Verharmlosungen" unterlaufen wie diejenige, die Flicks hätten ihren Reichtum "hart erarbeitet".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.08.2004

Eine "gut recherchierte Darstellung" hat Thomas Ramge mit seinem neuen Buch vorgelegt, das die Geschichte der Familie Flick nachzeichnet, findet Rezensent Julius H. Schoeps. Der Autor beschreibe Friedrich Flick, Rüstungslieferant Hitlers, Mitglied der NSDAP und schließlich "Magnat im Wirtschafswunderland" Adenauers als einen "kühl kalkulierenden Strategen", der es verstand, Entscheidungen zu treffen, aber auch als Mensch, dem "jedwedes Gefühl für historische Dimensionen" fehlte und dem moralische Überlegungen fremd waren. Dass der Enkel Friedrich Flicks jetzt in Berlin eine Sammlung moderner Kunst präsentieren will, findet der Autor nicht verdammenswert, und der Rezensent ist ganz seiner Meinung, denn "Bilder tragen keine Schuld". Dem könne man "nichts mehr hinzufügen", meint der Kritiker und freut sich über "ein Buch zur rechten Zeit".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.08.2004

Rezensentin Brigitte Werneburg findet die Familienbiografie über die Flicks schlichtweg ermüdend. Hauptsächlich liegt es daran, dass Friedrich Flick, der Begründer des Konzerns ihr als ein "ziemlich langweiliger Geselle" erscheint, ein disziplinierter Spartaner "mit Tunnelblick fürs Geschäftemachen". Den zahlreichen Schilderungen von "mehr oder minder feindlichen Übernahmen und Tauschgeschäften" kann Werneburg erklärtermaßen nichts abgewinnen. "Spannend", aber auch "unangenehm bis widerwärtig" wird es ihrer Meinung nach in den Passagen über Flicks Verstrickungen mit den Nazis. "Mindestens 40.000 Zwangsarbeiter" habe Flick beschäftigt und das unter so schlechten Bedingungen, dass sogar eine von den Nazis eingesetzte "Untersuchungskommission im Dezember 1942 Kritik übte". Allerdings, so schränkt Werneburg ein, komme Ramge in diesen Passagen über das bereits "Bekannte nicht hinaus". Auch die Schilderung von Flicks Wiederaufbau des Konzerns nach dem Krieg "lahmt" in Werneburs Augen: Flick habe hier keine "unternehmerische Großtat" geleistet, wie der Autor ihrer Meinung nach darzustellen versucht, sondern nur "vernünftig" Geschäfte gemacht. Und auch bezüglich der Debatte um die Ausstellung der Sammlung von Friedrich Christian Flick "lohnt sich die Lektüre nicht": Hier sei das Buch schlicht zu "allgemein und oberflächlich".
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