Herausgegeben von Barbara Hahn. Rahel Levin Varnhagen im mehrstimmigen Briefgespräch mit ihren Freundinnen - jungen jüdischen Frauen.Ein Konzert vieler Stimmen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: In den 1790er Jahren sammelte Rahel Levin junge Frauen um sich, die alle auf ihre Weise aus der traditionellen Welt ausbrachen. Jüdinnen entflohen arrangierten Ehen, verliebten sich in Christen und konvertierten. Adlige bekamen illegitime Kinder; eine reiste in Männerkleidern durch Europa. Sie alle erkundeten die neue Zeit nach der Französischen Revolution bis hin zur Restauration in den 1830er Jahren. Die Freundschaften überdauerten, nicht einmal die mit Caroline von Humboldt zerbrach, obwohl sie ihrer Korrespondentin das damals so seltene "Du" aufkündigte und nach deren Heirat zum "Sie" zurückkehrte. Rahel Levin Varnhagen bewahrte die Briefe ihrer Freundinnen auf, ihre sind dagegen nur zum Teil überliefert. Der Band präsentiert unter andrem die Briefwechsel mit Brendel Veit, Dorothea Schlegel, Henriette Mendelssohn, Caroline von Humboldt, Henriette Herz und Karoline von Schlabrendorf.
Rezensentin Shirin Sojitrawalla bekommt Lust auf Rahel Varnhagen mit den von Barbara Hahn herausgegebenen Briefwechseln der Autorin mit ihren Jugendfreundinnen. Dass einige der im Band enthaltenen Korrespondenzen vor allem aus den Briefen der Gegenseite bestehen, nimmt dem Ganzen nicht den Reiz, versichert die Rezensentin. Der besteht für Sojitrowalla nicht zuletzt im "innerlichen" romantischen Ton der Briefe über Privates, Tod, Liebe und Schmerz und in ihrem je nach Schreiberin unterschiedlich gearteten Temperament. Dass die Frauen von Dorothea Schlegel bis Friederike Liman sich auch untereinander kannten, führt laut Rezensentin zu hübschen Querverbindungen. Den Anmerkungsapparat findet sie mindestens so spannend wie die Briefe selbst. Zusammen ergeben sie aufschlussreiche Einblicke in verschiedene weibliche Lebenswelten, meint sie.
Hendrikje Schauer bespricht den Briefwechsel zusammen mit Hannah Arendts berühmter Studie über Rahel Varnhagen. Sie liest ihn als ein Zeugnis eines bestimmten Milieus. In dem Briefwechsel, erläutert sie, gibt es wesentlich mehr Briefen von Varnhagens Freundinnen als von ihr selbst. Vieles lernt sie aus den Briefen über Sehnsüchte nach Emanzipation, über damals schon häufig scheiternde Ehen, über Träume von Auswanderung. Aber über bestimmte Ereignisse, über die sie gern die Meinungen der Korrespondentinnen gehört hätte - die Französische Revolution und anderes - sind die Briefe eher karg. Insgesamt liest Schauer die Briefe auch als Zeugnisse einer bestimmten Phase der Salonkultur, denn bald nach den freigeistigen, von Damen der Gesellschaft dominierten Salons, dominierten exzessiv nationalistische, antisemitische und machistische Salons, so die Rezensentin, und das sind die Salons, in denen etwa Heinrich von Kleist verkehrte.
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