Rafael Seligmann erzählt die Geschichte und Gegenwart des Antisemitismus mit dem Wissen des Historikers bewusst subjektiv. Sein neues Buch ist ein persönlicher Lebensbericht."Lange genug wurde analysiert und wissenschaftlich geforscht. Eine objektive Schilderung des deutsch-jüdischen Miteinanders ist vergeblich und langweilig obendrein. Ich will daher aufzeigen, welche Wirkung kleine Stiche und scheinbare Beiläufigkeiten bei mir und anderen Juden zeitigen. Zahllose Reden haben die emotionale Taubheit allzu vieler Deutscher gegenüber ihren jüdischen 'Mitbürgern' und anderen Minderheiten nicht zu überwinden vermocht. Mitgefühl und Empathie sind für jede humane Gesellschaft unerlässlich, zumal für eine zunehmend vielschichtige wie die deutsche. Gemäß William Shakespeares Shylock: 'Wenn Ihr uns stecht, bluten wir nicht?'"
Der 78-jährige Historiker und Politologe legt mit dieser Mischung aus autobiographischer Rückschau und Appell gegen den Antisemitismus einen eindrücklichen wie auch klaren Text vor, urteilt Rezensent Sebastian Engelbrecht. Erschreckend findet Engelbrecht den täglichen Judenhass, dem Seligmann seit seiner Kindheit von allen politischen Lagern ausgesetzt wurde, von frühen Beleidigungen und Schlägereien bis hin zu späteren, passiv-aggressiven Bemerkungen vermeintlich liberalen Journalisten. Im Zuge seiner Beschäftigung mit dem auch in Deutschland erstarkenden Antisemitismus widme sich der Autor auch der derzeitigen Lage und sehe etwa in der Bezeichnung des Konflikts zwischen Israel und der Hamas in Gaza als Völkermord eine "Täter-Opfer-Umkehr", die die Verbreitung der Judenfeindschaft nur unterstütze. Dagegen plädiert er für die Ethik einer offenen, einander zugewandten Diskussion, die JüdInnen die Angst davor nehmen soll, sich als solche zu zeigen. Dem kann sich Engelbrecht nur überzeugt anschließen.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…