Mirna Funk

Balagan

Roman
Cover: Balagan
dtv, München 2026
ISBN 9783423284905
Gebunden, 368 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Eine Frau kämpft um ihr Erbe - und um das ihrer jüdischen Familie. Altes Zeug, im besten Fall ein Erinnerungsstück - mehr erwartet Amira nicht, als sie die Tür zum Lagerraum ihres verstorbenen Großvaters in Berlin-Moabit aufstößt. Aber dann steht sie vor der seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen geglaubten Kunstsammlung ihrer jüdischen Familie. "WTF!", denkt Amira und macht erst mal eine Insta-Story. Und jetzt? Soll Amira die Kunstwerke einem Museum schenken oder an einen Oligarchen verkaufen? Darf sie sie einfach behalten? Und können alle, die ihr da reinquatschen wollen, bitte mal still sein! Als Zweifel aufkommen, ob die Sammlung auf legalem Weg zu ihrem Großvater zurückgelangte, muss Amira sich plötzlich rechtfertigen. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 27.01.2026

Rezensent Wolfgang Schneider bespricht Mirna Funks Roman ambivalent. Die Handlung dreht sich um Amira, eine junge Frau, die in einer jüdisch-deutschen Familie aufwächst und nach dem Tod ihres Großvaters eine Gemäldesammlung erbt. Die sie reich macht, mit einem Geheimnis im Leben ihres Großvaters konfrontiert und außerdem in der Berliner Kunstszene reüssieren lässt. Letzteres ist der zentrale Punkt der gesamten Handlung, vermutet Schneider. Denn so kann Funk über den gerade im Kunstbetrieb besonders vehement wiederaufflammenden Antisemitismus schreiben. Hier werden die Figuren dann doch oft zu reinen Sprachrohren und wirken ein wenig wie eine Verlängerung von Funks "Polemik", merkt Schneider an. Reizvoll ist das Buch für den Kritiker dennoch, weil es sich um Gegenwärtigkeit und Pop-Kultur bemüht, eng an der Gegenwart bleibt also, was den Kritiker an Joachim Lottmann erinnert. "Eine passionierte Erkundung jüdischer Identitäten" findet der Rezensent hier außerdem vor. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 16.01.2026

Für Rezensentin Vera Drude geht Mirna Funks Kalkül, eine Geschichte über eine verschollen geglaubte Kunstsammlung mit Überlegungen zum jüdischem Selbstverständnis nach dem 7. Oktober zu verbinden, nicht auf. Die im Berlin der Gegenwart lebende Heldin, die sich mit der Verwaltung der überraschend vererbten Sammlung konfrontiert sieht, und Briefe ihre Opas aus dem Jenseits erhält, scheint Drude vor allem Projektionsfläche für Neid zu sein. Sie und ihre Familie bleiben als Figuren blass und klischeehaft, kritisiert Drude. Die zu Beginn geschürte Neugier, wie die Protagonistin mit dem überraschenden Erbe umgeht, löst das Buch laut Drude leider nicht ein.

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