Meint ein Palästinenser: "Das verstehe ich nicht. Die Israelis behaupten, ausschließlich auf unsere Füße zu schießen und trotzdem treffen sie immer den Kopf." Sagt sein Freund: "Wir Palästinenser sind eben ein Volk, das auf dem Kopf geht." Witze und Legenden beleuchten die Gemütslage eines Volkes und seine Geschichte. Sie illustrieren, was die Leute beschäftigt, worauf sie hoffen und wovor sie sich fürchten. Sharif Kanaana sammelt seit drei Jahrzehnten Witze, die in der Westbank und im Gazastreifen zirkulieren. Aus diesem Fundus haben er und Pierre Heumann eine Auswahl getroffen, die sie nach Themen geordnet in einen historischen Zusammenhang stellen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.02.2002
Eine neue und ungewohnte Sichtweise der komplizierten Verhältnisse im Nahen Osten hat Rezensentin Anette Bingemer aus dieser Sammlung von 200 politischen Witzen aus Palästina gewonnen. Sie vermittelten mehr über Mentalität, Be- und Empfindlichkeiten als eine wissenschaftliche Studie, meint sie. Dennoch ist die Witzsammlung wissenschaftlich legitimiert: Herausgeber sind ein Ethnologe (Kanaana) und ein Journalist (Heumann), die den Witzen eine chronologische Ordnung und jeweils einen den zeitgenössischen Kontext erläuternden Kommentar verpasst haben. Der palästinensische Witz ist feinsinnig, nicht grobschlächtig, behauptet Bingemer, und darum besonders geeignet, Stimmungsschwankungen zu erfassen. Sie findet ihn teilweise trotzdem sehr "speziell", da er mal besonders zynisch, mal eher resigniert daher komme und seltsame Verbindungen eingehe. Aufs Korn genommen würden ebenso die Amerikaner wie die israelischen Soldaten oder Missstände in der Autonomieverwaltung, doch auch vor dem Gewaltpotential von Jugendlichen oder dem IQ von Selbstmordattentätern mache der Witz keinen Halt.
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