Die Zeitschrift "Der Jude" wurde 1916 als Organ der Zionistischen Weltorganisation gegründet. Ihre Aufgabe war es zunächst, die nationalen Ziele der Juden in Ost- und Mitteleuropa einem gebildeten Publikum nahezubringen. Der Herausgeber Martin Buber konzipierte jedoch den "Juden" als Zeitschrift der Jüdischen Moderne, in der auch Nichtzionisten zu Wort kamen. Neben theoretischen Abhandlingen zur Ideologie des Zionismus und des jüdischen Nationalismus befasste sich die Zeitschrift mit den konkreten politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Juden in Europa und Palästina. Ein weiterer Schwerpunkt war die jüdische Kultur. Die Beiträge waren von den allgemeinen geistigen Strömungen der Zeit beeinflusst und versuchten, diese für die Belebung der jüdischen Kultur fruchtbar zu machen. Auf dem Gebiet der zionistischen Politik in Palästina war "Der Jude" das Sprachrohr jener deutschsprachigen Zionisten, die sich engagiert für die jüdisch-arabische Koexistenz, aber auch für die Förderung der jüdischen Arbeit und der Kollektivsiedlungen in Palästina einsetzten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.2001
Der Rezensent Julius H. Schoeps scheint von der Arbeit von Eleonore Lappin derart angeregt worden zu sein, dass er ein wenig seine kritisierende Tätigkeit vergisst und den Leser ausführlichst über die Geschichte der Zeitschrift "Der Jude" unterrichtet. Spannend zu lesen, bestimmt auch Werbung für das Buch, aber leider sehr wenig über Lappins Veröffentlichung. Wenn der Rezensent aber einmal den Blick von dem Thema, das ihm offensichtlich sehr am Herzen liegt, abwendet und auf die Autorin schaut, erfahren wir, dass eine "vorzüglich recherchierte Studie" vorliegt, die wohl der "hohen Qualität der Artikel und Aufsätze" der untersuchten Zeitschrift gerecht wird.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.11.2000
Anders als die anderen bedeutenden Organe des Zionismus wie "Die Welt" und die "Jüdische Rundschau" war Martin Bubers "Der Jude" "von Anfang an offen konzipiert". Es ging, stellt der Rezensent Andreas Kilcher fest, um die Debatte, nicht um die Verfestigung einer Ideologie. Zudem setzte man, im Gegensatz zu Theodor Herzl, eher einen kulturellen als einen politischen Schwerpunkt bei der Bekämpfung der Assimilation. Der Krieg wurde als Schreckensereignis interpretiert, das die Juden wieder an "das große Leben der Gemeinschaft" erinnern sollte. Damit handelte man sich den Widerstand jüdischer Intellektueller wie Walter Benjamin (der nie für die Zeitschrift schrieb) und Gershom Sholem (der es selten und nicht zustimmend tat) ein, freilich schrieben andererseits auch Nicht-Zionisten wie Franz Werfel, Alfred Döblin oder Franz Kafka für das Blatt. Lappins Monografie zu Martin Bubers Zeitschrift wird als "informativ und hilfreich" gelobt, darüber hinaus erfährt man, dass alle Ausgaben von "Der Jude" ab Ende 2000 vollständig im Internet abgerufen werden können.
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