Philip Roth

Die Demütigung

Roman
Cover: Die Demütigung
Carl Hanser Verlag, München 2010
ISBN 9783446234932
Gebunden, 138 Seiten, 15,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren. Für Simon Axler geht es bergab. Mit sechzig hat er, einer der besten Theaterschauspieler, alles Selbstvertrauen verloren. Als er auch noch von seiner Frau verlassen wird, kehrt er der Bühne endgültig den Rücken zu und beginnt eine scheinbar unmögliche Beziehung mit der lesbischen Tochter eines Jugendfreundes. Doch was zunächst wie ein belebender Trost aussieht, erweist sich als Flucht vor der Wirklichkeit. Philip Roth erzählt in seinem Roman vom Schicksal eines alternden Schauspielers. Auf Simons Reise ans Ende der Nacht entblößt der in den USA lebende Autor alle menschlichen Täuschungen - Liebe und Macht, Leidenschaft und Prestige.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.07.2010

Großartig findet Thomas David Philipp Roth' jüngsten Roman über einen Schauspieler der daran verzweifelt, nicht mehr spielen zu können. Der amerikanische Autor knüpft thematisch an seine frühen Zuckerman-Romane an, gewinnt diesem Drama um Identitätsverlust aber zugleich ganz neue Seiten ab, preist der Rezensent. David zeigt sich beeindruckt von Roth' gnadenlosem Blick auf den unaufhaltsamen Niedergang des einst so gerühmten Schauspielers Simon Axler und stellt fast bedauernd fest, dass der Autor mit den Illusionen seiner Protagonisten, wie schon in seinen früheren Romanen, keine Nachsicht zeigt, sondern sie mitleidlos als solche entlarvt. Insbesondere die Passagen, in denen Axler mit einer lesbischen Kollegin eine Affäre eingeht und sich der Wunschfantasie des Neuanfangs, gemeinsamer Kinder und seiner Rückkehr auf die Bühne hingibt, haben David berührt und beeindruckt. Dieser Roman führt seine präzise Darstellung der Zerbrechlichkeit "menschlicher Identität" als "zeitlose Tragödie des Jedermann" höchst faszinierend vor, so der Rezensent überzeugt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.05.2010

Dies sei ein Kurzroman, der "in Sachen Wucht, Spannung, Lakonie, Witz, Anspruch usw. kaum zu wünschen übrig" lasse, schreibt Rene Hamman, der trotzdem der Ansicht ist, dass das Buch im Gesamtwerk des Autors "keinen der vorderen Plätze" einnehmen wird. Zwar sei diese Geschichte um einen alternden Theaterschauspieler, der sich in eine junge Frau und die wiederum in eine Lesbe verliebe, sprachlich tadellos. Allerdings findet Hammann sie zu konventionell und vor allem mit Auge auf Verfilmung erzählt. In Sachen anspruchsvoller Unterhaltung bleibt Roth für Hammann trotzdem das Maß aller Dinge, nicht weniger aber auch nicht mehr.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2010

Die Geschichte vom alternden Großschauspieler im späten Glück beginnt für Rezensent Albert Ostermaier ein bisschen zu gewählt, zu angelesen. Zur Freude des geduldigen Rezensenten pendelt sich der Text bald ein auf die gewohnte Unerbittlichkeit (nicht Bitterkeit, so Ostermaier), mit der Philip Roth seine Figuren und das sie bestimmende Schicksal, ihre ganz persönlichen Tragödien dem Leser präsentiere. Dafür, dass sich derzu einer veritablen Sexorgie entwickelnde Roman nicht in einer von Viagra befeuerte Männerfantasie gipfelt, sorgen laut Ostermaier Roths Gespür für die (Selbst-)Täuschungen der Liebe und der Erzählton: Ein noch im Angesicht des höchsten Glücks mitschwingender Ton der Trauer und Verzweiflung über die Unausweichlichkeit des Unglücks, der dieser Geschichte nach Meinung des Rezensenten geradezu "antike Wucht" verleiht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.03.2010

Dass der Held sich am Ende die Kugel gibt, erscheint Christoph Schröder nicht als unbedingt zu hütendes Geheimnis. Der neue Roman von Philip Roth hat scheint's Feuer genug, den Leser ohnehin in Brand zu stecken. Laut Schröder exemplifiziert Roth seine Themen Altern, Sterben, Selbsttäuschung und neurotische Männlichkeit an einem alternden Schauspieler, den er mit erbarmungsloser erzählerischer Konsequenz in eine Amour fou rennen lässt. Seinen Prägungen, das heißt seinen Fehlern entkommt der Mensch nicht, lernt Schröder hier einmal mehr. Derart meisterhaft vorgeführt bekommen, komödiantisch lächerlich und schmerzhaft zugleich, hat er die Sache mit dem Fatum allerdings noch nicht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.03.2010

"Konzentrat von Roths großem Thema oder schmalbrüstiges Nebenwerk?" Das fragt sich Peter Michalzik angesichts des neuen Buchs von Philipp Roth. Vieles in der Geschichte vom alternden Schauspieler findet Michalzik einfach banal und für Roth ungewohnt sinnlos, speziell, solange der Protagonist mit seinem Autor allein bleibe. Erst, wenn die Frauen kommen, kommt für den Kritiker Leben in die erzählerische Tristesse. Besonders mit der 25 Jahre jüngeren lesbischen Peegan, mit der der Protagonist eine Affäre beginne. "Die Dialoge blühen auf, die Erzählung bekommt Tempo", lesen wir dann, "der Roman erigiert sozusagen". Kaum hat die Frau den Mann verlassen, tritt der bedauerliche gegenteilige Effekt ein, moniert der Kritiker. Angeregt wird er lediglich von einer Liste jener Dramen der Weltliteratur, in denen sich jemand umbringt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.03.2010

Mit ehrfürchtigem Staunen über die große Kunst dieses Autors hat Ulrich Greiner Philip Roth' neuen Roman gelesen, dessen tragisches Ende für ihn vom ersten Satz an feststeht, und dessen Verlauf er dennoch mit Atemlosigkeit folgte, wie er schreibt. Mit diesem Buch, so Greiner, zeige sich der 77-jährige Amerikaner erneut auf der Höhe seiner Kunst. Grandios und mit dem Präzisionsblick eines Unfallchirurgen, den nichts mehr schrecken könne, widme sich Roth in dieser Geschichte eines alternden Schauspielers, der sich in einer fatalen Beziehung zu einer jüngeren, kindlich grausamen Frau verliert, der animalischen, verdorbenen Seite des Menschen. Es gebe kein Ausschmücken, kein Verweilen, warnt Greiner: Mit umstandsloser Härte steuert Roth auf sein Erzählziel, den Tod seines Protagonisten zu. Nobelpreiswürdig findet der Kritiker das übrigens - ein Buch, das zwar nicht zur Verbesserung der Welt beiträgt, aber viel zu ihrer Erkenntnis.