Klappentext

Chloe und Rasmus sind seit fast zwanzig Jahren verheiratet, und ja, alles bestens, man hat sich entwickelt, man ist sich vertraut. Aber dass dieses Leben nun einfach so weitergehen soll, ist auch nicht auszuhalten. Rasmus will es noch einmal wissen: Eine neue Welt erobern, weit weg von zu Hause; zeigen, was er kann. Chloe ist immer bei ihm. Bis sie Benny trifft und sich noch einmal verliebt, wild und leidenschaftlich: Nicht an morgen denken, Sex die ganze Nacht, noch einmal jung sein, verdammt nochmal. Chloe erlebt den besten Sex ihres Lebens, und Rasmus die größte Katastrophe. Sibylle Berg stellt die Frage, die alle Paare irgendwann einmal beschäftigt: Ist Sex lebensnotwendig? Oder doch eher die Liebe?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.03.2015

Als "Zeremonienmeisterin der Apokalypse" würdigt Rezensent Roman Bucheli Sibylle Berg und beteuert seine Bewunderung für ihr Talent, die Welt und Menschen mit unvergleichlichem Schwung ins Verderben zu schicken. Dennoch muss der Kritiker gestehen, dass er von Bergs neuem Roman "Der Tag, als meine Frau einen Mann fand" enttäuscht ist. Auch wenn er zunächst gern den inneren Monologen des desillusionierten und sexuell frustrierten Mittelklasse-Paares Rasmus und Chloe folgt und sich über ihre karikaturhaften gegenseitigen Wahrnehmungen amüsiert, vermisst er bald aber doch Bergs Sprachwitz und Erzählkraft. Die Geschichte erscheint ihm so unsubtil, als hätte die Autorin für "begriffsstutzige" Leser geschrieben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.03.2015

Insa Wilke kritisiert Sibylle Bergs neuen Roman als zu undifferenziert. Laut Wilke opfert die Autorin die Anschauung ihren satirischen Neigungen, Sentimentalität dem Zynismus und der Satire. Heißt: Für Wilke hätte der Text über die berufliche und partnerschaftliche Krise von Rasmus und Chloe ruhig mehr mit Liebe und Erotik und weniger mit der hohlen Konventionalität der Gedanken und der Sprache zu tun haben dürfen. Darin scheint Wilke die Autorin allerdings stark: In der Imitation "öffentlicher Hohlformen". Nur geht Berg der Rezensentin in diesem Buch eben allzu plakativ und ausschließlich dabei vor.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.02.2015

Was für ein Buch!, jubelt Rezensentin Margarete Stokowski nach der Lektüre von Sibylle Bergs neuem Roman "Der Tag, als meine Frau einen Mann fand". Hier entdeckt die Kritikerin eigentlich alles, was sie nie über Sex wissen wollte - "krass, eklig, verstörend und makaber" beschrieben, zugleich aber auch unglaublich lustig, geradezu grotesk, intim und einfach schön. Und so beobachtet sie mit einer ganz eigenen Faszination wie das ziemlich öde Durchschnittspaar Chloe und Rasmus über ihr grauenhaftes Sexleben räsoniert, schließlich ein Dritte-Welt-Land bereist und mit dem von Chloe entdeckten rothaarige Masseur Benny zurückreist, der von nun an als "sprechender und kochender Dildo" agiert. Bei so viel Sex, Tod, Verachtung und Ekel hätte Freud frohlockt, glaubt Stokowski, die einen so wunderbar zynischen Einblick in die Hölle sonst nur von Houellebecq, Nietzsche oder eben Berg kennt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.02.2015

Zu lesen als Paar mit verteilten Rollen, rät Richard Kämmerlings angesichts von Sibylle Bergs neuem Roman, den er so unterhaltsam wie verstörend findet. Unterhaltsam, da die Autorin kurzweilig und in knappen Kapiteln von einem Pärchenleben auf "Stadttheaterniveau" erzählt. Verstörend, weil Berg laut Kämmerlings wie Michel Houellebecq über Bauchfett, Mundgeruch und Selbstekel zu schreiben weiß und dem Sozialdarwinismus unserer Zeit aufs Maul schaut. Wie sich die Handlung vermittels der gleichmäßig auf Mann und Frau verteilten Kapitel entwickelt, findet Kämmerlings raffiniert. Gefallen hat ihm das Buch aber auch seiner Stringenz wegen, seines überraschenden Endes und weil Berg über "fiesen" Humor verfügt, wie er anerkennend schreibt.