Aus dem Englischen von Horst Brühmann. Wir vergöttern die Jugend und verstecken das Alter. Das war nicht immer so. Die wechselvolle Geschichte der bevorzugten Lebensphasen verändert den Blick aufs Älterwerden. Unser Alter, so Robert P. Harrison, hängt von der Welt ab, in der wir leben. Unsere Welt treibt einen verhängnisvollen Kult um die Jugend. Wenn eine alternde Gesellschaft die ewige Jugend für sich reklamiert, gibt es am Ende überhaupt keine Jugend mehr. Literatur und Philosophie liefern Harrison reiches Material für originelle Denkanstöße, immer ist bei ihm die Lust am Lesen auch die Lust zu denken. Sein Buch ist eine Kulturgeschichte des Alterns und meinungsstarke Gegenwartsdiagnose zugleich.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.09.2015
Rezensent Thomas Sparr hält den Blick des Essayisten Robert Pogue Harrison auf Facetten des Alterns für allzu eurozentristisch. Auch wenn ihm die essayistischen Sprünge des Autors in die Lyrik und zu Heidegger und Giambattista Vico Denkanstöße geben, auch wenn Harrisons Übertragung seines Wissens vom Alter von der Biologie auf die Kultur für ihn nachvollziehbar ist - wie es ums Altern in Afrika oder Russland bestellt ist, erfährt Sparr hier leider nicht und auch nicht, wie wir in Zukunft altern werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.09.2015
Niels Werber muss schon selber denken mit Robert Pogue Harrisons Buch in Händen. Zwar sieht der Autor die intergenerationale Kontinuität im Schwinden, was dieser Verlust jedoch bedeutet, was es heißt, wenn das Alter von einer biologischen zu einer kulturellen Variable wird, das darf der Rezensent sich für sich ausmalen. Werber findet das spannend, ahnt aber, dass der Autor seinerseits kulturkritisch gestimmt ist, wenn er Generationen als voneinander völlig fremde Kulturen darstellt. Insgesamt aber schwankt der Band zwischen anthropologischen Universalaussagen über unser Sein und kulturhistorischen Relativierungen des Alters, meint Werber.
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