Radikaler Wandel löst häufig Angst aus und wird abgelehnt. Aber der Rückgriff auf Vertrautes und Bewährtes kann eine Entwicklungsdynamik auch fördern und zu einer ihrer wesentlichen Voraussetzungen werden.
Wie gehen Menschen mit einschneidenden Veränderungen um? Wie werden z. B. Tod und Trauer, Exil und der Verlust der Heimat, aber auch Hyperinflationen, Revolutionen oder sozioökonomische Entwicklungssprünge sowohl individuell als auch gesellschaftspolitisch wahrgenommen und bewältigt?
Peter Waldmann geht davon aus, dass Situationen radikalen Wandels, die überkommene Strukturen prinzipiell infrage stellen, häufig Verlustängste auslösen und ein Festhalten an Altem und Vertrautem zur Folge haben - viele Menschen geben sich, in solche Ereignisse involviert, dem "konservativen Impuls" hin, sie sehen sich als künftige Modernisierungsverlierer. In anderen Bevölkerungskreisen stoßen die Veränderungen jedoch auf Beifall und wecken Hoffnungen auf eine verheißungsvolle Zukunft. Die Gesellschaft spaltet sich in gegensätzliche Lager.
Die Untersuchung des bekannten Soziologen bezieht sich auf die jüngste Neuzeit und handelt von Fällen individuellen und rapiden sozioökonomischen Wandels sowie politischer Umbrüche an der europäischen Peripherie als auch in Lateinamerika, im Mittleren Osten und in Ostasien.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2017
Für Rezensentin Barbara Kuchler ist Peter Waldmanns Studie eher eine "bunte Mischung" aus verschiedenen Fallbeispielen und psychologischen, soziologischen und historischen Informationen. Der Soziologe erläutert ihr hier seine These eines "konservativen Impulses" im Bezug auf gesellschaftlichen Wandel mit Blick auf Revolutionen, ehemalige Entwicklungsländer, Verlust der Heimat durch Migration und persönliche Verlusterfahrungen, etwa durch den Tod nahestehender Menschen. Wissenschaftlichen Anspruch und stringente Argumentation darf man hier nicht erwarten, fährt die Kritikerin fort. Als "locker" zusammen gewürfeltes Potpourri zu verschiedenen Erscheinungsformen sozialen Wandels kann sie das Buch aber empfehlen.
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