Hans Joas (Hg.), Wolfgang Knöbl (Hg.)

Sozialtheorie

Zwanzig einführende Vorlesungen
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783518292693
Gebunden, 816 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Dieses Buch gibt einen Überblick über die Entwicklung der Sozialtheorie seit 1945 und ihren heutigen Stand. Als Sozialtheorie wird dabei der Kern sozialwissenschaftlicher Theoriebildung bezeichnet, der sich von politischer Theorie und Kulturtheorie deutlich abheben lässt. Nach einer ausführlichen Behandlung des Versuchs von Talcott Parsons, das Erbe der Klassiker Max Weber und Emile Durkheim zu einer Synthese zusammenzuführen, werden die produktiven Widerstände gegen diesen Versuch (wie rational Choice und Symbolischer Interaktionismus) dargestellt. Danach geht es um die großen neuen Syntheseentwürfe seit etwa 1970 (Habermas, Luhmann, Giddens), aber auch um die kritische Fortführung der Modernisierungstheorie (Eisenstadt), Strukturalismus, Poststrukturalismus, Antistrukturalismus (Touraine), Feminismus, neue Diagnosen einer Krise der Moderne, den Neopragmatismus und die wichtigsten Aufgaben gegenwärtiger Arbeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.02.2005

"Gehöriges Lob" verdient dieser Band von Hans Joas und Wolfgang Knöbl nach Ansicht von Rezensent Martin Bauer. Die umfangreiche Überblicksdarstellung zur modernen soziologischen Theorie will dreierlei: Sie soll in das Fach einführen, die jüngere Geschichte der Gesellschaftstheorie rekapitulieren und die Einheit der Soziologie in der Vielfalt ihrer Kontroversen sichtbar machen. Das ist den Autoren auch bestens gelungen: Als "hoch informativ", "von bestechender synthetischer Kraft" und "erstaunlich gut, nämlich weitgehend jargonfrei geschrieben" lobt Bauer das Werk. Jedem, der sich eine gründliche Vorstellung davon verschaffen möchte, womit sich Gesellschaftstheorie in den letzten 70 Jahren beschäftigt hat, kann er diesen Zyklus von zwanzig Vorlesungen nur ans Herz legen. "Kompakt und plausibel" legten die Autoren darin dar, wie sich Gesellschaftstheorie seit den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts über alle Schulbildungen und Theoriestile hinweg tatsächlich als ein kontinuierlicher Diskussionszusammenhang begreifen lässt. Auch bei Theorien, mit denen Joas und Knöbl nicht einverstanden sind, geben sie die kritisierten Positionen nach Auskunft des Rezensenten "getreu und weitgehend verlässlich" und bleiben selbst in der Argumentation gegen konträre Theorieentwürfe "verantwortungsbewusste Lehrbuchautoren". Gegen Strukturalismus und Systemtheorie setzten Joas und Knöbl auf eine neopragmatische Gesellschaftstheorie, in deren Zentrum die "Kreativität des Handelns" stehe. Das Resümee des Rezensenten: "ein Glücksfall".
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