Heute geht es nicht mehr darum, ob und wann die Armee abgeschafft werden soll: unterdessen hat sie selbst diese Aufgabe übernommen und löst sich Stück für Stück auf - etwa indem sie sich nach wirtschaftlichen Kriterien erneuern will. Aus der heiligen Kuh ist ein Nutztier geworden. Unverändert aber begleitet die Miliz jeden Schweizer sein Leben lang. Manche militärische Biografie begann nicht erst mit dem Stellungstag, sondern mit erbettelten Bisquits, mit Morsekursen oder nächtlichen Gesprächen über Strategien der Verweigerung. Und beim ersten Appell fand sich mancher aufrechte Schweizer plötzlich als willenloser Mitläufer in seiner grünen Haut wieder. Die hier versammelten Schriftsteller erzählen von ihrem ersten Mal und davon, wie beim unerlaubten Tanzen erwischt zu werden ein gutes Ende nehmen kann.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.03.2004
Nur bedingt sagte diese Anthologie über die Wehrpflichterfahrungen Schweizer Autoren mit ihrer Milizarmee dem mit "cav" zeichnenden Rezensenten zu. Namentlich in den Texten, die direkt für den von Peter Stamm herausgegebenen Band geschrieben wurden, fand unser Rezensent wenig mehr als "die uniformen Beschreibungen der Leiden junger Wehrmänner". Dagegen wussten einige der Beiträge, die älteren Veröffentlichungen entnommen wurden, wie zum Beispiel die Romanauszüge von Klaus Merz und Hugo Loetscher den Rezensenten durchaus zu überzeugen.
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