Peter Longerich

Heinrich Himmler

Biografie
Cover: Heinrich Himmler
Siedler Verlag, München 2008
ISBN 9783886808595
Gebunden, 560 Seiten, 39,95 EUR

Klappentext

Heinrich Himmler, Reichsführer-SS, Chef der Deutschen Polizei, Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums, schließlich Reichsinnenminister und Befehlshaber des Ersatzheeres, verfügte im NS-Staat über eine einzigartige Machtfülle und stand wie kaum ein zweiter für Terror, Verfolgung und Vernichtung. Er war für die Repression im Innern ebenso verantwortlich wie für die Verbrechen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern, für die Gräueltaten der SS an der Ostfront oder für die Entwurzelung und Umsiedlung von Millionen Menschen unter deutscher Herrschaft. Doch trotz ihrer zentralen Rolle für das Regime bleibt die Figur Himmler bis heute blass und über weite Strecken rätselhaft.
Mit dieser Biografie nimmt der NS-Forscher Peter Longerich die Person Himmler in all ihren Funktionen und Facetten in den Blick. Er verschränkt private Lebensgeschichte, politische Biographie und Strukturgeschichte und eröffnet damit überraschende Einsichten in die Gesamtgeschichte der NS-Diktatur. So kann Longerich zeigen, wie geschickt Himmler seine Kompetenzen in den unterschiedlichsten Politikfeldern nutzte und kombinierte, um seine weitgesteckten Ziele zu erreichen. Er führt uns vor Augen, in welchem Maße die Vorurteile, Marotten und Vorlieben des Reichsführers die SS als Organisation prägten, die so zum Spiegelbild seiner selbst wurde - und deren Geschichte ohne die genaue Kenntnis des Mannes an ihrer Spitze unvollständig und unverständlich bleibt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2008

Ein explizites Urteil fällt Rezensent Rainer Blasius in seiner Besprechung nicht, doch offensichtlich hat er Peter Longerichs Biografie Heinrich Himmler mit Gewinn gelesen. Vor allem die Manien, die Himmler schon in jungen Jahren entwickelt hatte - Ekel vor Mädchen mit "starkem Naturtrieb" und Homosexuellen, seine Selbststilisierung als oberster Oberbefehlshaber - scheinen Blasius ein Hinweis auf die seelische Disposition des späteren Völkermörders, über dessen "kometenhaften Aufstieg" in NSDAP und SS und seine Untaten Blasius leider nicht viel sagt. Zugute kam Himmler offenbar allein sein Organisationstalent, denn militärische Fähigkeiten scheint er keine gehabt zu haben. Und obwohl Himmler, wie Blasius lästerlich anmerkt, seine SS-Leute verstärkt zur Nachwuchszeugung anhielt, blieben die NS-Zuchtvorstellungen doch ausgerechnet in dieser Truppe mit 1,1 Kindern ausgesprochen niedrig. Kapitel zu Weltanschauung, Kult oder seinem Führungsstil runden für Blasius diese Biografie zu einem "facettenreichen Panorama eines Verbrecherstaates" ab.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.11.2008

So richtig begeistert scheint Franziska Augstein nicht zu sein. Peter Longerichs Himmler-Biografie nennt sie "sorgfältig" und "entsprechend lang". Das von ihr einleitend angeführte Plus des Buches, sich nicht nur für die Fakten, sondern auch für die Psychologie Himmlers zu interessieren, relativiert Augstein im Fortgang ihrer Besprechung. Was Longerich zu Himmlers Kindheit und Jugend und über das Verhältnis zum strengen Vater zu sagen hat, findet sie, erklärt noch nicht das spätere Monstrum. Abgesehen von kleineren Spekulationen Longerichs kann Augstein das Buch als historisch gut grundierte Arbeit begreifen. Die Entwicklung Himmlers, seine Prägung durch Lektüre, mystisch-germanisches Ideengut sowie einen ausgeprägten Kontrollwahn sieht Augstein gewissenhaft dokumentiert und, wo es angebracht ist, auch mal bunt und ironisch gefasst.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.10.2008

Voluminös und von nur schwer zu überbietender Gründlichkeit und Fülle erscheint das Buch dem Rezensenten. Dass Peter Longerich keine rein politische Biografie Himmlers vorlegt und auch nicht den Fehler macht, die Taten des Naziverbrechers vor allem aus dessen Lebenslauf abzuleiten, erfüllt Cord Aschenbrenner mit Respekt. Biografisches und Strukturgeschichtliches sieht er auf überzeugende und lesbare Weise miteinander verknüpft. Aschenbrenner erhält so die Möglichkeit, die von Himmler tief geprägte SS in ihren Facetten zu begreifen. Die Unzahl der vom Autor offenbar mit nahezu grenzenlosem Fleiß neu erschlossenen Quellen (besonders aufschlussreich findet Aschenbrenner Himmlers "Leselisten") helfen dem Rezensenten überdies, Himmlers machtpolitische Begabung und ideologische Motivation zu verstehen. Wenn den Rezensenten dabei das Grauen packt, kann das nur ein Indiz sein für das Gelingen des Buches.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2008

Der angesehene Holocaust-Historiker Peter Longerich hat mit dem über 1000 Seiten  umfassenden Werk über den SS-Reichsführer und Massenmörder Heinrich Himmler eine Lücke in der NS-Biografik geschlossen, so Dagmar Pöpping. Der Ansatz aus "Strukturgeschichtsschreibung und Biografie" macht deutlich, dass Himmlers durchschnittliche Persönlichkeit und sein Aufstieg mit der Staatskrise der Weimarer Republik, die sich als Rechtsstaat schon vor 1933 nicht mehr über den Weg traute, in Zusammenhang steht. "Einblick in das Seelenleben eines Mörders" sollte man sich daher nicht erwarten, ganz im Gegenteil sei die Mittelmäßigkeit seiner Beziehungsgestörtheit und Esoterikanfälligkeit heute en masse in deutschen Großstädten anzutreffen, führt die Rezensentin aus. Himmlers Gigantomanie, an deren Anfang der Holocaust stand und die auf ein großgermanisches Reich abzielte, speiste sich aus einer eingebildeten Berufung zu Höherem, die zu einer Verschmelzung von Person und Reichsführer SS führte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.10.2008

Nicht weniger als ein "Meilenstein der Forschung" liegt hier vor, schwärmt der Rezensent Michael Wildt. Kaum zu glauben sei das, dass es bisher keine "umfassende deutsche Biografie" zu einem der "Hauptverbrecher" des Nazi-Regimes gab. Nun liegt sie vor und der Historiker Peter Longerich hat ein laut Wildt auf ganzer Linie überzeugendes Werk verfasst. Souverän zeichne er die Entwicklung Himmlers vom Katholizismus des Elternhauses ins Innere einer zunehmend paranoiden, von "Minderwertigkeitsgefühlen" verursachten Weltanschauung nach. "Mit großer Kenntnis" beschreibt Longerich, lobt der Rezensent, den Aufstieg Himmlers in der Partei und den Aufstieg der SS innerhalb des Regimes. "Brillant" gelinge dem Autor dabei die Verknüpfung der individuellen Biografie mit der Analyse der politischen Struktur des NS-Staats. Von Nuancen in wenigen Punkten abgesehen, hat der Rezensent kein Wort der Kritik anzubringen.