Peter Godman

Der Vatikan und Hitler

Die geheimen Archive
Cover: Der Vatikan und Hitler
Droemer Knaur Verlag, München 2004
ISBN 9783426273081
Gebunden, 368 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Siebzig Jahre lang waren die Dokumente in den geheimen Archiven des Vatikans unter Verschluss. Zum ersten Mal kommt jetzt die Wahrheit über die Politik des Heiligen Stuhls in den Jahren 1933 bis 1939 ans Licht. "Die Kirche verurteilt die Ansicht, dass jede Vermischung des Blutes mit einer fremden oder minderwertigen Rasse, besonders eine Vermischung der arischen mit der semitischen Rasse, allein auf Grund dieser Vermischung ein abscheuliches Verbrechen gegen die Natur sei." So setzte eine Enzyklika des Papstes an, mit der der nationalsozialist- ische Rassismus verdammt werden sollte. Der Text, 1936 geschrieben, wurde nie veröffentlicht. Welche Kräfte hatten ein Interesse daran, diese Verurteilung zu verhindern? Wurde der Papst über die Judenvernichtung falsch informiert? Ist alle Schuld Pius XII. anzulasten?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.08.2004

Nicht wirklich überzeugt zeigt sich Rezensent Karl-Joseph Hummel von Peter Godmans Arbeit über die Reaktionen vatikanischer Stellen auf die Herausforderung durch die totalitären Ideologie des Nationalsozialismus. Hummel führt eine ganze Reihe von Kritikpunkten an. Das beginnt beim völlig irreführenden Titelbild des Bandes, geht weiter über die Bibliografie, die reihenweise Titel enthalte, die sich in der Veröffentlichung selbst höchstens in Spurenelementen ausfindig machen ließen, und hört bei der "Technik des irreführenden Halbzitats" nicht auf. Indirekt hält er dem Autor, Professor für mittellateinische Philologie aus Neuseeland, vor, nicht über eine genügend breite Literaturkenntnis zu verfügen, so dass ihm vieles Bekannte neu scheine. Auch ordne er Quellenbefunde immer wieder nicht richtig ein und schließe von der Quantität bestimmter Quellen auf deren Qualität. Zwar weise Godman die These Hochhuths, Cornwells und Goldhagens vom Antisemitismus Pius' XII. "vernünftigerweise" zurück. Methodisch aber nähere er sich doch wieder Cornwell an, der sich seinen entscheidenden "Beweis" durch Übersetzungskunst selbst hergestellt hatte. Am Ende des Bandes, im Quellenanhang findet Hummel dann eine Überraschung, das "Wichtigste in Godmans Buch": Ausführliche Gutachten vom Mai 1935, Oktober 1936 und April 1938 des Vatikans über Nationalismus, Rassismus, Kommunismus und Totalitarismus. Auf dieser Basis, so der Rezensent, könne eine neue Diskussionsrunde über die Rolle der politischen Religionen im "Dritten Reich" und über das immer noch unerledigte Thema "Der Vatikan und Hitler" beginnen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.03.2004

Den Willen zur Objektivität schätzt Hansjakob Stehle am meisten, wenn er Peter Godmans Buch über die Verbindungen zwischen Hitler und dem Vatikan liest. Der in Rom lehrende Professor konnte schon vor der offiziellen Öffnung einen Blick in die vatikanischen Archive werfen und Geheimdokumente einsehen. Heraus kamen neue Einsichten über "Hitlers Papst" Pius XII, basierend auf "gründlichen" Forschungsarbeiten, die sich so manch anderer Autor bislang "erspart" habe, wie der Rezensent spitz anmerkt. Obwohl der Rezensent die aufwändigen Studien Goldmans honoriert, ist er mit den Schlussfolgerungen, die der Autor zieht, nicht zufrieden. Dass Pius XI. und Pius XII. nicht aus purer Feigheit zu den Nazi-Gräueln geschwiegen hätten, sondern weil sie glaubten, weise zu handeln, hält Stehle nur für die "halbe Wahrheit".
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