Stefan Samerski

Wie im Himmel, so auf Erden?

Selig- und Heiligsprechung in der katholischen Kirche 1740 - 1870
W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2002
ISBN 9783170169777
Kartoniert, 512 Seiten, 50,00 EUR

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.11.2003

Selig- und Heiligsprechungen sind nicht nur Himmelsangelegenheiten, soviel ist dem mit "V.C" zeichnenden Rezensenten nach der Lektüre von Stefan Samerskis Studie klar. Zu seiner Beleuchtung der "neuzeitlichen Kanonisationspolitik in ihrer Programmatik und ihren zeitbedingten Voraussetzungen" stütze sich Samerski auf bisher unausgewertetes, auch außerrömisches Quellenmaterial, und mache deutlich, dass die vom Kanonisten Prospero Lambertini 1740 erschaffene "Rechtstheorie und Praxis der Selig- und Heiligsprechungsverfahren" auch heute noch gelte, dass sie jedoch immer geschichtlich bedingte, unterschiedliche Anwendungen gefunden habe. Besonders hat dem Rezensenten die Auseinandersetzung mit der Kanonisationspolitik von Papst Pius IX. gefallen. Es bleiben für den Rezensenten zwar einige Fragen offen, etwa die "Kriterien von Wundern", aber mit dieser Studie, die der Rezensent als "gelungene Verbindung von wissenschaftlicher Darstellung und Leserfreundlichkeit" lobt, habe Samerski die "Heiligenindustrie" aus dem Himmel auf den diesseitigen Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2003

Hartmann Tyrell lobt in seiner ausführlichen Besprechung, dass diese Arbeit Samerskis einen Einblick in die Selig- und Heiligsprechungspraxis der römischen Kirche gebe, wie er "in vergleichbarer Breite und Belegdichte bislang nicht zu haben war". Samerski lege Wert auf "größte Quellennähe", das Buch basiere auf "exzessiven Archivstudien". Damit zusammen hängt allerdings wohl auch das größte Manko, das Tyrell beklagt: nach der "kulturgeschichtlichen Seite hin" habe sich Samerski "strikte Askese" verordnet. Über das "Zustandekommen der Wunderberichte", die den Heiligsprechungen zugrunde liegen sowie über das "Wie" ihrer Prüfung erfahre der Leser "fast nichts". Mit "welcher spezifischen Brille beobachtet das rational geordnete Verfahren die irrationale religiöse Praxis, wenn es deren 'Bestehen' feststellen will" und wie funktioniert der "bürokratisch hochgerüstete Lobbyismus, welcher im frommen Volk die Berichte anregt und eintreibt", fragt Tyrell. Fragen wie diese blieben bei Samerski leider "unterbelichtet".
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