"Gegenpäpste"?durchziehen die Kirchengeschichte von der Spätantike bis zum Ende des Mittelalters. Dabei ist der mehrdeutige Begriff zugleich zeitgenössisches Stigma und Urteil 'ex post'. Er schließt die so Bezeichneten aus der historischen Reihe der Nachfolger Petri aus und raubt ihnen plakativ jede Legitimation. Der Band unternimmt erstmals den Versuch, die teils hartnäckig geführten Konkurrenzkämpfe um das römische Bischofsamt systematisch zu beleuchten: Kommunikations-, Handlungs- und Legitimationsstrategien der Protagonisten sowie die Wahrnehmungsmuster der Zeitgenossen stehen im Mittelpunkt. In dieser Perspektive bilden die "Gegenpäpste" gleichsam Prüfsteine, an denen Reichweite und Fragilität des universalen Autoritätsanspruchs des mittelalterlichen Papsttums sichtbar werden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2012
Sehr gefesselt hat Rudolf Neumaier die bewegte Geschichte der mittelalterlichen Gegenpäpste, die die Mediävisten Harald Müller und Brigitte Holtz herausgegeben haben. Diesem aus einer Tagung hervorgegangenen Band kann man nicht nur die Namen der vielen Gegenpäpste ablesen, die das Mittelalter erlebt hat (mit Genuss zählt Müller auch mehrere umstrittene Benedikt-Päpste auf, wie der Rezensent bemerkt). Deutlich wird außerdem, dass es in den Kämpfen um den rechtmäßigen Papst durchaus nicht um theologische Fragen, sondern um "Macht, Einfluss, Geld" ging, so Neumaier, der hier ein spannendes Thema nach "allen Regeln der Geschichtswissenschaft" vermittelt sieht.
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