Gerhard Besier

Der Heilige Stuhl und Hitler-Deutschland

Die Faszination des Totalitären
Cover: Der Heilige Stuhl und Hitler-Deutschland
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2004
ISBN 9783421058140
Gebunden, 415 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

In Zusammenarbeit mit Francesca Piombo. Seit zwei Jahren hat die Katholische Kirche die Akten aus dem Geheimarchiv freigegeben, die die Beziehung des Vatikan zum Nationalsozialismus in der Zeit zwischen 1923 und 1939 dokumentieren. Die Autoren haben das Material zum ersten Mal gesichtet und werfen ein neues Licht auf das problematische Verhältnis. Pius XI. (1922 - 1939) und Pius XII. (1939 - 1958) standen unter dem Generalverdacht, zu den Verbrechern der Nazis und zu dem europaweiten Judenmord geschwiegen zu haben. Der Vatikan hat nun die Archive geöffnet. Jetzt wird klar, wie religiös-politischer Machterhalt der Weltkirche und ihr entschiedener Antibolschewismus ihr diplomatisches Handeln bestimmten. Auf der anderen Seite standen seelsorgerische Motive und das Bemühen, Schlimmeres zu verhindern

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2005

Endlos scheint Rezensent Hansjakob Stehle die Debatte um das Verhältnis der römischen Kirche zum Nationalsozialismus weiterzugehen. Gerhard Besier, der das Thema erneut angeht und dafür neu erschlossene Quellen des Vatikans auswerten konnte, verspreche in seinem Buch "Der Heilige Stuhl und Hitler-Deutschland" zwar keine Sensationen, "aber doch einige Überraschungen". Diese bestehen nach Darstellung Stehles etwa im zögernden Verhalten Eugenio Pacellis, der als Nuntius und Kardinalstaatssekretär von Papst Pius X. Konkordanzpolitik mit Diktaturen nach der Maxime "Türen zuschlagen, aber nicht für immer" betrieben habe. "Ausführlich" dokumentiere Besier auch die bislang unbekannten Berichte Cesare Orsenigos, der von 1933-1945 als päpstlicher Nuntius in Berlin fungierte und eine Zusammenarbeit mit Hitler befürwortete. Besier sehe die Ursachen für das päpstliche Schweigen, das schon am Anfang der Judenverfolgung begann, auch darin, dass die angebliche Macht des Vatikans ein "bloßer Mythos" war.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.12.2004

Die deutsch-vatikanische Geschichte zwischen 1904 und 1939 können Gerhard Besier und Francesca Piombo auch nicht "sehr anders" erzählen, als sie schon erzählt worden ist, findet der Rezensent mit dem Kürzel "Hg." Der Grund dafür sei weniger in der mangelnden Fähigkeit der Autoren, als vielmehr in der schlechten Quellenlage zu suchen, die sich auch nach der Freigabe wichtiger Dokumente durch den Vatikan kaum geändert habe. "Manche Präzisierung", aber kein "wesentlich neues Bild" sei dadurch möglich geworden. Der Beitrag des neuen Buchs zum Heiligen Stuhl in Verbindung mit Hitler-Deutschlands fällt für den Rezensenten jedoch noch aus anderen Gründen eher "bescheiden" aus. Einige Begebenheiten, so zum Beispiel das Schicksal der Rassismus-Enzyklika des Jesuiten John La Farge, "hat man schon genauer gelesen", außerdem überzeuge das Werk "stilistisch" nicht. Eine Lektüre ist also allenfalls dann sinnvoll, wenn man die Arbeit als "Überblick" über die Tätigkeit des Diplomaten Eugenio Pacelli betrachte.
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