Herausgegeben von Fritz und Sieglinde Mierau. Mit 40 Abbildungen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2002
Tief beeindruckt zeigt sich der Rezensent Felix Philipp Ingold von den jetzt auf deutsch erschienen Briefen des russischen Philosophen und Naturwissenschaftlers Pawel Florenski. Ingold sieht in den Briefen, die "sorgfältig übersetzt" und "verlässlich kommentiert" sind, ein "bemerkenswertes Zeitdokument". Florenski war, wie Ingold ausführt, Priester, Universalgelehrter, Wortführer der russischen "religiösen Renaissance", Leiter und Beraters diverser staatlicher Institutionen und Redakteur der sowjetischen "Technischen Enzyklopädie", und wurde 1933 wegen angeblich "konterrevolutionärer Propaganda und Agitation" zu zehn Jahren Arbeitslager, 1937 zum Tod verurteilt. Florenskis Briefe aus dem Gulag enthalten philosophische Reflexionen ebenso wie Traum- und Lektüreberichte und zeugen vom "unerschütterlichen pädagogischen Eros" Florenskis, seine Familie zu belehren und zu bestärken, schreibt der Rezensent. Trotz widrigster Umstände, trotz ständiger Gefahr für Leib und Leben, hält Florenski am Glauben fest, dass sein Schaffen in irgendeiner Weise seine geschichtliche Existenz überdauern wird, erklärt Ingold. Nach langer "erzwungener Vergessenheit" wird Florenski heute, so der Rezensent, zu Recht weithin als "eine Lichtgestalt des 20. Jahrhunderts" gefeiert.
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