Paula Köhlmeier

Maramba

Cover: Maramba
Zsolnay Verlag, Wien 2005
ISBN 9783552053335
Gebunden, 255 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Monika Helfer und Michael Köhlmeier. Menschen, die den Zauber von Worten hören, die aufeinander zugehen und sich selbst im anderen wiederfinden wollen; beginnende Beziehungen, flüchtig, unerfüllt und mit offenem Ausgang; abgründige Verhältnisse, phantastische Träume, vage Hoffnungen - davon handeln die knapp 50 Prosastücke dieses Buches. "Maramba" zeigt das Talent einer jungen Schriftstellerin, die schrecklicher nicht hätte enden können. 2003 verunglückte die 21jährige Paula Köhlmeier bei einer Bergwanderung tödlich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2005

Beeindruckend findet Martin Halter diesen Band mit nachgelassenen Erzählungen Paula Köhlmeiers, die 2003 mit gerade 21 Jahren tödlich verunglückte. Die Erfahrungen ihres unsteten Lebens sind seiner Ansicht nach in die knappen Erzählungen eingegangen, die von Einsamkeit und Eifersucht, Sehnsucht, Liebeskummer und Verrat, auch von Mord und Selbstmord ihrer meist jugendlichen Protagonisten handeln. Ausdrücklich stellt Halter klar, dass es sich hier nicht um pubertäre Bekenntnisliteratur handelt. Köhlmeier schildere eine traurige Welt: lauter vergebliche Aufbrüche, unerfüllte Hoffnungen, alltägliche Tragödien. "Was ihre Figuren sich zu sagen haben, dauert eine Zigarette, und die Liebe hält auch selten länger", schreibt Halter. "Man redet aneinander vorbei, wird betrogen, verlassen oder geht selbst wortlos weg". Imponiert hat Halter besonders Köhlmeiers Sprache, die er mal als "klar, zart und kraftvoll", mal als "diszipliniert" und "unbarmherzig präzise" beschreibt. Auch wenn ihm manches "unfertig" und auch "unreif" erscheint und trotz einiger sprachlicher Ausrutscher - Kohlmeiers Blick sei "immer unsentimental und genau, ihre Sprache lakonisch hart und kühl." Und so resümiert der Rezensent: "Dass das große Versprechen, das in dieser Prosa liegt, nun nicht mehr eingelöst werden kann... ist für die deutsche Literatur ein Unglück."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.07.2005

Hannelore Schlaffer sieht in diesen Skizzen ein beträchtliches Talent am Werk, doch dabei wird es aufgrund des Unfalltodes der jungen Autorin Paula Köhlmeier bleiben. Die Vorarbeiten - noch "eher Mutproben denn Gesellenstücke eines Schriftstellers" - sind also zugleich das Vermächtnis, und so wachsen die Prosastücke in den Augen der Rezensentin gleichsam über sich selbst hinaus, weil sie als Ankündigung für etwas Größeres stehen, was es nicht mehr folgen wird. Was aber wäre es gewesen? Kurzgeschichten nach amerikanischem Vorbild? Ein großer Roman? Fest steht für Schlaffer, dass Köhlmeier einen außerordentlichen Blick für das Absonderliche im Alltäglichen hatte, dazu ein bereits ausgeprägten Stilbewusstsein - "Tempo, Lakonie" - und Mut zur Gratwanderung zwischen Trivialität und literarischer Transzendenz. Es fehlt natürlich die Reife, nichts ist komplett und abgeschlossen, doch dafür bekommt man, so die Rezensentin, authentische, unkonventionelle Originalität.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.03.2005

Obwohl die Erzählungen von einer ganz jungen Autorin stammen, wohl um die zwanzig, spekuliert Franz Haas, verblüfften sie durch die Vielzahl der Motive, durch Reife in den Beobachtungen, durch genaue Charakterzeichnung. Tragischerweise ist Paula Köhlmeier, die man sonst bestimmt eine neue Stimme der jungen österreichischen Literatur genannt hätte, da ist sich Haas sicher, im Jahr 2003 ums Leben gekommen. So kann ihr der Rezensent keinen kritischen Rat mehr bei den wenigen weniger gelungenen Stellen erteilen. Schnell versichert Haas denn auch, dass die gelungenen bei weitem überwiegen. Die Geschichte pendeln zwischen Vorarlberg, Wien und Mexiko, wohin Köhlmeier gereist ist, haben meist eine weibliche Erzählerin, die ihre Beobachtungen gekonnt und nicht ohne Selbstironie preisgibt, mit einem scharfen aber "liebevollen Blick für die anderen, einen traurigen für sich selbst", schreibt Haas mit einer gewissen Rührung.
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