Olga Flor

Kollateralschaden

Roman
Cover: Kollateralschaden
Zsolnay Verlag, Wien 2008
ISBN 9783552054400
Gebunden, 208 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Eine Stunde am frühen Abend in und um einen Supermarkt. Lichter, Autos, Menschen. Eine Allegorie des Alltäglichen. In ihrem neuen Roman stellt uns Olga Flor eine Reihe von Personen vor, die auf den ersten Blick nichts miteinander verbindet: die 29-jährige Doris etwa, die hier regelmäßig und fast immer kalorienbewusst einkauft; den Rentner Horst, ehedem im Stadtbauamt tätig und nun für die Pflege seiner krebskranken Frau zuständig; Anton, einen Obdachlosen ... Im Takt der Minuten beobachtet die Autorin das Treiben, dem keiner unbeschädigt entkommt. Man folgt den Gedanken und Handlungen dieser Menschen. Ihre Sehnsüchte und Schwächen kommen einem dabei ebenso nahe wie das unmittelbare Geschehen selbst, das in einem Überfall kulminiert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2008

Katrin Hillgruber rät zum Supermarktroman der Grazerin Olga Flor, die zur Blauen Stunde zwischen halb fünf und halb sechs ein Ensemble an beschädigten Prototypen, von der jungen Mutter über den Penner bis zur Rechtsaußenpolitikerin, in einer Kaufhalle aufeinander treffen lässt, wobei es die "typische österreichische Unerbittlichkeit" gebietet, die Versammlung nicht ohne einen ebenso banalen wie tragischen Todesfall wieder aufzulösen. Die Rezensentin lobt die virtuose dramaturgische Anlage, in dem sich die Reaktionen des Romanpersonals in der jeweils anderen Figur brechen. Das ergibt eine heitere wie böse  Groteske, die dennoch ihre "realistische Grundhaltung" nicht aufgibt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.09.2008

Für Paul Jandl war Olga Flors neuer Roman "Kollateralschaden" vielschichtig und äußerst anregend - ein "Werk von subtiler Klugheit". Ein Supermarkt dient als Schauplatz für ein "sich verdichtendes Panorama der Enttäuschungen". Flor, so Jandl, schafft es auf großartige Weise, die Wünsche und Untiefen durch Einzelportraits von etwa einem Dutzend Kunden in diesem Supermarkt zu greifen und auf realistische Art fühlbar zu machen. Es folgt ein ironischer Höhepunkt, der für Jandl durch seine unspektakuläre Art perfekt zur unterkühlten Spannung passt. Das banale Umfeld der Supermarktregale zusammen mit Flors "mitleidloser Empathie" für ihre Figuren bewirken eine unverblümte Ästhetik, die laut Jandl an die Fotografien Andreas Gurskys erinnert. Darüber hinaus war der Supermarkt für den Rezensenten Vehikel für eine Reihe transzendentaler Eingebungen; der Supermarkt als Spiegelbild des Lebens, in dem "der Kollateralschaden der Schöpfung" längst angerichtet ist und sich traurige Zustände wahrnehmen lassen.