Bernhard Schlink

Gerechtigkeit

Ein Essay
Cover: Gerechtigkeit
Diogenes Verlag, Zürich 2026
ISBN 9783257073720
Gebunden, 208 Seiten, 21,99 EUR

Klappentext

Alle wollen Gerechtigkeit - immer für sich, manchmal auch für andere, selten für alle. Aber was ist Gerechtigkeit, und wie ist sie zu haben? Bernhard Schlink bietet weder ein ideales Konzept noch eine einfache Formel. Sein Anliegen ist bescheidener. Er zeigt auf, wie wir immer wieder neu nach gerechten Lösungen suchen müssen und sie finden können. Das ist Arbeit, der Text ist eine Anleitung zur Gerechtigkeitsarbeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2026

Bernhard Schlink kann nicht nur Romane schreiben, freut sich Rezensent Achim Brosch, sondern auch Essay, zum Beispiel den vorliegenden über Gerechtigkeit. Der früher auch als Jurist tätige Autor nähert sich dem Thema weniger systematisch als pragmatisch: Nicht für den Begriff der Gerechtigkeit interessiert er sich, sondern dafür, wie Gerechtigkeit sich im Kontakt mit der Empirie beweisen muss. So denkt Schlink Gerechtigkeit zwar von der Gleichheit her, gesteht jedoch gleichzeitig ein, dass gerecht zu sein auch heißen kann, Ungleiches ungleich zu behandeln. Und zwar, wenn es "gute Gründe" dafür gibt - ein weiterer wichtiger Begriff in einem Buch, das sich von einseitigen ideologischen Positionen, seien sie kommunitaristischer oder liberaler Natur, fernhält. Brosch ist von all dem ziemlich angetan und findet: Dieses lässig geschriebene Buch ist eine "Anleitung zum Selberdenken" und ein starkes Gegengift gegen populistische Verkürzungen im Namen dieser oder jener Gerechtigkeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.02.2026

Rezensent Gustav Seibt lobt Bernhard Schlinks Essay über Gerechtigkeit in den höchsten Tönen, wenngleich er ihn vor allem jenen empfiehlt, die sich tüchtig aufregen wollen. Denn statt einfacher Antworten gibt es hier stets abwägende, warnt der Kritiker, den der Text an Gliederungshefte, die Gelehrte im 19. Jahrhundert zu Vorlesungen verteilten, erinnert. Äußerst "kristallin" legt ihm Schlink dar, wie Gerechtigkeit und Ungleichbehandlungen kollidieren können, wie das Beispiel "Frauenquote" zeigt, und wie elementar "Gerechtigkeitsarbeit" ist, etwa mit Blick auf soziale oder politische Gerechtigkeit - Beispiel: Generationengerechtigkeit. Mitunter sind die Beispiele arg knapp gehalten, räumt Seibt ein. Aber nach der herausfordernden Lektüre kennt er sich nicht nur in der "Architektur" der Gerechtigkeit besser aus, sondern erkennt auch: Immer kleinteiligere Gerechtigkeitsforderungen können zu mehr Bürokratie und "Moralisierung des Alltags" führen.

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