Paula Fox

Der kälteste Winter

Erinnerungen an das befreite Europa
Cover: Der kälteste Winter
C. H. Beck Verlag, München 2006
ISBN 9783406542084
Gebunden, 144 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Im Jahre 1946 betrat Paula Fox ein nur oberflächlich umgebautes Kriegsschiff und reiste nach Europa, auf der Suche nach neuen Erfahrungen in der Alten Welt. Sie war 22 Jahre alt und verbrachte die nächste Zeit in London, Warschau, Paris, Prag, Madrid und an anderen Orten im Auftrag einer kleinen britischen Nachrichtenagentur. In diesem autobiografischen Buch, das an "In fremden Kleidern" (2003) anschließt, beschreibt Paula Fox ihre Reisen durch das vom Krieg heimgesuchte Europa, ungeplante Ausflüge in leere Schlösser und zerstörte Kathedralen, einen Besuch in Warschau mitten in den Wirren der kommunistischen Übernahme, Francos Spanien, wo sie ihren Großonkel Antonio wiedersieht. Sie erzählt von den Nächten in den Wohnungen entfernter Freunde, von den schäbigen Pensionen, in denen sie friert, vom Echo der Schrecken des Krieges, von den Wunden der Menschen und Städte. Sie beschreibt eine junge Frau, die sich allein, ohne Plan und ohne die Gewissheit, dass ihre Agentur sie auch bezahlen kann, auf den Weg macht, während Europa aus den Trümmern allmählich wieder aufgebaut wird.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.11.2006

Rezensentin Tanya Lieske verdankt diesem Buch "kostbare Momentaufnahmen" aus dem Europa des Jahres 1946. Die inzwischen achtzigjährige Paula Fox habe rückblickend ihre Reise als Dreiundzwanzigjährige ins befreite Europa beschrieben und sich darum bemüht, auch ihren unbedarften Blick von einst zu rekonstruieren. Darin besteht für die Rezensentin sowohl Gewinn als auch Gefährdung dieses literarischen Unternehmens. Zwar entstünden, geschärft durch die arglose Direktheit dieser Autorin, eindrucksvolle Einzelbilder des unmittelbaren Nachklangs der eben vergangenen Katastrophen. Momente, in denen für die Rezensentin "das Entsetzen in der Stille und Dunkelheit" dieses Nachkriegswinters irritierend intensiv Gestalt annimmt. Manchmal überschreitet die Naivität der Autorin ("Hitler erwähnt sie mit keinem Wort") aber wohl auch die Grenzen des für die Rezensentin Erträglichen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.06.2006

Verena Auffermann ist angetan von diesem zweiten Memoirenband der amerikanischen Schriftstellerin Paul Fox. Sie lieferten der Rezensentin spannende Einblicke in das Nachkriegseuropa und bewiesen, dass die "Weltpolitik der privaten Biografie einen festen Rahmen gegeben hat". Die Stärke ihrer Erinnerungen liegt darin, dass sie "Begegnungen" mit sehr viel Beobachtungsgabe schildert und dabei Pathos und eigene Gefühle außen vor lässt. Wirklich Neues erfährt man da zwar nicht, wie die Rezensentin bedauernd bemerkt - aber Fox hat eine eigene Perspektive. Zudem erfährt man mehr darüber, was die Autorin zu ihrer eigenen Arbeit inspiriert. Auffermanns Meinung nach darf man in Paula Fox' Fall ruhig direkte Rückschlüsse von ihrer Biografie auf ihr künstlerisches Werk ziehen, denn es belegt "die langanhaltende und klärende Wirkung authentischer Erfahrung".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.02.2006

Berührt zeigt sich Angela Schader von Paula Fox' Erinnerungen an das vom Zweiten Weltkrieg gezeichnete Europa, das die 1923 in New York geborene Schriftstellerin 1946/47 teilweise als Korrespondentin einer britischen Nachrichtenagentur bereiste. Sie findet Fox' Schilderungen höchst eindringlich und bescheinigt der Autorin "Bescheidenheit", "Augenmaß" und vor allem "Achtsamkeit". Gerade wo sich Fox zurückhalte und vom Versuch des Einfühlens zurücktrete, gewinnen ihre Aufzeichnungen und Porträts für Schader eine besondere Intensität. Etwa wenn sie einen tschechischen Journalisten porträtiere, der mehrere Jahre Lagerhaft hinter sich hat und seine Töchter in einem Konzentrationslager verlor. "Was Paula Fox - und mit ihr der Leser - vom Schicksal der europäischen Juden erfährt", schreibt die Rezensentin, "scheint aus dem Schweigen geschält werden zu müssen".
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