Mit 17 zum Teil farbigen Abbildungen. Pascal Germann rekonstruiert die ineinander verwobene Geschichte von Rassenforschung und Humangenetik. Anhand der Analyse wissenschaftlicher Forschungspraktiken - vom Vermessen von Körpern über das Sammeln von Stammbäumen bis zur Laborforschung der Nachkriegszeit - arbeitet die Studie die engen Verbindungen zwischen Humangenetik und Rassenforschung heraus. Rassische Differenzvorstellungen prägten die Humangenetik lange Zeit und umgekehrt fanden Rassenforschungen weit über 1945 hinaus Anschluss an wichtige Bereiche der Humangenetik.
Das Schweizer Fallbeispiel ermöglicht es dem Autor, die bislang nur unzureichend erforschten transnationalen Dimensionen der Vererbungs- und Rassenforschung in den Blick zu rücken. Schweizer Wissenschaftler forschten in kolonialen Kontexten und arbeiteten intensiv mit Forschern im Dritten Reich zusammen. Gerade aufgrund ihres Status als 'neutraler Kleinstaat' galt die Schweiz dabei als besonders geeignet, um eugenisch relevante Vererbungs- und Rassenfragen - scheinbar rein wissenschaftlich und unabhängig von den politischen Interessen der expansiv ausgerichteten Großmächte - zu erforschen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2017
Rezensent Urs Hafner kann nur staunen, was der Historiker Pascal Germann in seiner Dissertation ans Licht bringt, nüchtern und gelehrt. Die Geschichte des Rassismus und Erbbiologismus in der Schweiz von 1900 bis 1970 vermag ihm Germann wissenschaftshistorisch nahezubringen. Die Hintergründe dessen, was Anthropologie und Humangenetik einte, den Glauben an die Rasse, sind für Hafner zwar nicht immer neu, über die gute internationale Vernetzung der Schweizer Rasssenforscher liest er hier allerdings zum ersten Mal. Etwas mehr Rücksicht auf mit wissenschaftlicher Terminologie nicht vertraute Leser hätte dem Buch gut getan, findet der Rezensent, ebenso etwas weniger inhaltliche Redundanz.
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