Aus dem Englischen von Michael Bischoff. Asien ist in Bewegung. Die neue Supermacht China dominiert sowohl den Kontinent als auch den Diskurs über die Region. Um besser zu verstehen, was in seinem Inneren vorgeht, lohnt sich vor allem ein Blick an die Ränder des riesigen Staates. Keiner kann das so meisterhaft und kenntnisreich wie der vielfach ausgezeichnete Publizist und Essayist Pankaj Mishra, der sich der Großmacht China über ihre Grenzen annähert und gekonnt politisches Geschehen, Reisebericht und große Historie miteinander verwebt. Er reist von Beijing über die Mongolei nach Tibet und durch Länder wie Indonesien, Malaysia und Taiwan, um herauszufinden, wie es sich im Schatten des Drachen lebt und welchen Einfluss die unmittelbare Nähe des "Reichs der Mitte" auf seine Nachbarn hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.08.2015
Rezensent Stefan Weidner hätte von Pankaj Mishra gern ein Buch wie das vorliegende über Europa und seine Nachbarn. Derart unterhaltsam und lehrreich scheinen ihm die ursprünglich als Rezensionen in der London Review of Books, dem Guardian und Travel & Leisure erschienenen Texte des Autors. Gleich ob Mishra Bücher über Mao rezensiert oder Literatenporträts verfasst, Weidner fühlt sich vom Autor hinter die Kulissen des heutigen Asien geleitet, das der Autor beständig auf die Möglichkeiten eines dritten Wegs zwischen Wachstum und Gerechtigkeit hin abklopft, wie der Rezensent anmerkt. Mishras Blick auf Indochina, Malaysia, Indonesien oder Japan eröffnet ihm überraschende Einsichten, besser als jeder Insiderbericht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2015
Peter Sturm wundert sich ein wenig, weshalb Pankaj Mishra in seinem Buch "Begegnung mit China und seinen Nachbarn" darauf beharrt, alles Übel in Asien letztlich auf importierte westliche Ideen zurückzuführen und, im Gegenzug, alle westlichen Ideen als Übel anzusehen. Der Autor schildert die Probleme, die es in den von ihm besprochenen Ländern gibt, durchaus hellsichtig, findet der Rezensent, die Kolonialgeschichte scheint aber die Trennung zwischen Ideen und ihrem Missbrauch zu erschweren, vermutet Sturm. Bei all der Kritik am westlichen Denken hätte der Rezensent Vorschläge für Alternativen, etwa zu demokratisch verfassten Nationalstaaten, erwartet.
Das Buch des Schriftstellers und Essayisten Pankaj Mishra besticht für Marko Martin durch einen durchaus rabiaten Willen zur tabula rasa, was ideologische Schimären wie den vermeintlichen Antimaterialismus Asiens oder den angeblichen Individualismus des Westens angeht. Die so entstehende Lücke aber füllt der Autor laut Rezensent überzeugend mit der Entdeckung von gesellschaftlichen Ausdifferenzierungen zwischen Beijing, Mumbai und Jakarta. Dass Mishra den Selbst- und Fremdzuschreibungen misstraut, scheint Martin erkenntnisfördernd. Den Mix aus kühler Analyse und empathischer Reportage im Buch findet er erfrischend.
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