Branko Milanovic

Die ungleiche Welt

Migration, das Eine Prozent und die Zukunft der Mittelschicht
Cover: Die ungleiche Welt
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783518425626
Gebunden, 312 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Stephan Gebauer. 1.760.000.000.000 US-Dollar. In Worten: einskommasiebensechs Billionen. Auf diese Summe schätzte Oxfam kürzlich das Vermögen der 62 wohlhabendsten Menschen der Welt. Ein paar Dutzend Milliardäre verfügen über so viel Geld wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung - oder wie 3.600.000.000 Menschen. Von Barack Obama bis zu Thomas Piketty, die führenden Köpfe unserer Zeit sind sich einig: Ungleichheit ist eines der drängendsten Probleme der Gegenwart. Anhand neuer, haushaltsbasierter Daten zu Einkommen und Vermögen untersucht Branko Milanovic die Ursachen und Folgen. Er zeigt, dass zwar der Abstand zwischen armen und reichen Staaten geringer geworden ist, das Gefälle innerhalb einzelner Nationen jedoch dramatisch zugenommen hat. Armut und Perspektivlosigkeit sind treibende Kräfte für internationale Migrationsbewegungen. Noch immer ist das Geburtsland eines Kindes der entscheidende Faktor für die Höhe seines zukünftigen Einkommens. Milanovic analysiert den Zusammenhang zwischen Ungleichheit und Migration - und plädiert für ein radikal liberales Einwanderungsrecht. Ein aktuelles, ein engagiertes Buch, das die Art und Weise, wie wir über unsere ungleiche Welt denken, verändern wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2017

Rezensent Bernhard Edmunds freut sich über ein neues Buch des serbisch-amerikanischen Ökonomen Branko Milanovic, den er in einem Atemzug mit Thomas Piketty oder Anthony B. Atkins nennt. Dessen Überblick über die Entwicklung der globalen Verteilung seit Ende der 1980er Jahre liest der Kritiker mit Gewinn. Zwar vermisst er in Milanovics Analyse, warum die Ungleichheit seit rund dreißig Jahren in den Industrieländern wieder ansteigt, Originalität und theoretisches Fundament, die Schlüsse des Ökonomen findet Edmunds jedoch "anregend": Um einen drohenden Verlust der Mittelschichten zu verhindern, schlägt Milanovic etwa eine breite Streuung des Kapitalbesitzes vor, so der Rezensent. Mit der Idee, die Lebensbedingungen in ärmeren Ländern dadurch zu verbessern, dass man die ökonomische Migration erheblich erleichtert, die Migranten in Folge aber etwa durch einen beschränkten Zugang zu Sozialleistungen oder zusätzliche Steuern "rechtlich diskriminiert", kann der Kritiker allerdings nur wenig anfangen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.10.2016

Rezensent Stefan Reinecke kann aus Branko Milanovics Irrtümern beim Formulieren von Lösungsvorschlägen nur lernen. Nämlich dass wir der Wucht der globalen Ungleichheit nach wie vor keine Lösung entgegenzusetzen haben. Zuvor aber hat ihm der Ökonom die Daten aus den letzten 30 Jahren auseinandergesetzt, Chinas wirtschaftlichen Aufstieg erläutert und weitere Trends herausgearbeitet. Dass er sich dabei nicht auf den Westen beschränkt, hält Reinecke für ein großes Plus der Analyse. Den Rechtspopulismus bei uns verständlich zu machen, gehört für Reinecke auch zu den Verdiensten der Studie.