Otfried Höffe

Lebenskunst und Moral

oder: Macht Tugend glücklich?
Cover: Lebenskunst und Moral
C. H. Beck Verlag, München 2007
ISBN 9783406557453
Gebunden, 373 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Otfried Höffe legt mit diesem Buch sein Grundwerk zur philosophischen Ethik vor. In der Spannung zwischen Glück (Eudämonie) und Freiheit (Autonomie) lotet er die Möglichkeiten aus, die es gibt, ein gelungenes Leben zu führen. Denn Glück und Moral, die sich auf den ersten Blick widersprechen, können einander ergänzen. Lebensglück kann bedeuten, im Einklang mit der Moral zu leben. Kann man glücklich sein und trotzdem in Einklang mit der Moral leben? Die Frage stellt sich schon im alltäglichen Leben. Sie ist zugleich eine Frage der Lebensweisheit alter Kulturen und vor allem der Philosophie. Solange man das Glück rein subjektiv als Wohlbefinden versteht, stimmt es mit der Moral bestenfalls zufällig überein. Meint man mit Glück aber die Qualität eines gelungenen Lebens, dass nämlich das eigene Dasein glückt, so gehören dazu Haltungen, die zweifellos einen moralischen Charakter haben und Tugenden heißen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.08.2007

Etwas missmutig fasst Rezensentin Hilal Sezgin nach eher zäher Lektüre die Thesen dieses philosophischen Buchs zusammen, um sich dann doch zu einem negativen Urteil durchzuringen. Zwar findet sie die Fragestellung an sich, ob nämlich der Mensch eher ein nach Glück oder nach Moral verlangendes Wesen ist, ganz spannend. Weil aber der Autor dann doch nichts weiter macht, als ein buntes Kränzchen für Immanuel Kant daraus zu winden, werden die frohen Erwartungen Sezgins bald enttäuscht. Strafverschärfend kommt für sie ein grundlegender Mangel an Originalität der Gedanken, fehlende Hinwendung zu aktuellen ethischen Fragestellungen sowie die Tatsache hinzu, dass das Buch aus ihrer Sicht gleich mehrere Sorten philosophischer Literatur in sich vereint. Insgesamt schwanke das Buch zu unentschlossen zwischen philosophischem Seminar und Populärwissenschaft. "Welche Sorte Leser soll das gut gelaunt durchhalten!" stöhnt sie also.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.07.2007

Rezensent Manfred Geier ist durchaus beeindruckt von diesem Buch, in dem Otfried Höffe die Prinzipien seiner beiden Lieblingsphilosophen miteinander zu vereinbaren versucht: Aristoteles' "Eudaimonia", nach der nur ein tugendhaftes Leben ein gelungenes sein kann, und Kants "Kritik der praktischen Vernunft". Dabei beziehe Höffes Argumentation ihre Kraft nicht unbedingt aus den Erfahrungen des Lebens, sondern aus einem "metaphysischen Fundamentalismus", macht Geier klar, wobei nicht ganz klar wird, ob er dies als Kritik meint. Dass Höffe aber in Karl Valentins weiser Maxime "Ich bin froh, dass es so ist, denn wenn ich nicht froh wäre, wäre es trotzdem so" nur die Resignation eines "grüblerischen Wortklaubers", nicht aber die "Lebenskunst eines Melancholikers" erkennen will, verübelt ihm der Rezensent, der Valentin im Grunde genommen auch durch Höffes fundamentale Untersuchung bestätigt sieht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2007

Zufrieden zeigt sich dem hier rezensierenden Wolfgang Sofsky mit Otfried Höffes "Lebenskunst und Moral", das er als "Versuch einer Fundamentalethik" liest. Gern folgt er dem Philosophen, der sich einmal mehr mit den klassischen Fragen der Moralphilosophie befasst. Er sieht in dem Werk so etwas wie die Summe von Höffes Forschung. Zwar liefere sie nur wenige "materiale Empfehlungen", wohl aber "wichtige begriffliche Unterscheidungen, prüfbare Argumente und systematische Theoreme". Ausführlich referiert er Höffes Bemühungen, Aristoteles und Kant zu vermitteln und dabei eine originäre Position einzunehmen. Von der freiwilligen Erfüllung des moralisch Gebotenen ist die Rede, von moralischen Maximen und der Bedeutung des Selbstverständnisses von ethisch handelnden Personen. Höffe macht für Sofsky deutlich, dass ein moralisch gutes Leben für ein geglücktes Leben zwar nicht ausreichend, aber unverzichtbar ist, es mithin ohne Moral kein Glück gibt. Er begrüßt Höffes Insistieren auf der Aktualität der klassischen Ideen von Glück, Tugend, Freiheit und Autonomie gegenüber allen modischen Tendenzen. Allerdings hätte er sich ein wenig mehr über das Negative gewünscht. So bleiben Laster, Untugenden und Gleichgültigkeit zu seinem Bedauern unterbelichtet. Und das Böse, über das es immerhin ein kurzes Kapitel gibt, scheint Sofsky bei Höffe "begrifflich derart verengt, dass es aus der Realität nahezu verschwindet".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2007

Der Philosoph Otfried Höffe geht in diesem Band der Frage nach, wie sich die Anforderungen der Moral und ein selbstbestimmtes Leben miteinander vereinbaren lassen. Die Antwort fällt strikt kantianisch aus. Dem bloßen, unreflektierten Streben nach Lust oder Gewinn müsse das Individuum die Einwilligung in akzeptierte Grundsätze der Moral entgegensetzen. Auf Lebenskunst im derzeit modischen Sinne laufe das keinesfalls hinaus - denn in einem ersten Schritt geht es erst einmal um den Verzicht auf schieres "Wohlergehen". Der Rezensent Michael Pawlik beschränkt sich im wesentlichen auf das Referat von Otfried Höffes Thesen - lobt das Buch an einer Stelle aber ausdrücklich als "eindrucksvolle Schrift".
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