Die Kantische Ethik gilt bis heute als die dominante Theorie der Moral, und das nicht nur mit Blick auf ihre moralischen Inhalte, sondern mehr noch mit Bezug auf ihre Begründung der moralischen Prinzipien aus der Vernunft. Die Auseinandersetzung mit Kant führt jedoch zu der Einsicht, dass wir unsere Vorstellungen vom Verhältnis zwischen Ethik und Moral sowie von der Verbindung von Moral und sozialer Realität reformulieren müssen. Die im vorliegenden Buch gesammelten Artikel verbindet die Erwartung, dass die Moral statt über die Vernunft über ihre Funktion im Rahmen sozialer Beziehungen besser zu verstehen und gestalten sein sollte. Den konkreten Reichtum unserer Handlungsziele, Beziehungsmöglichkeiten und sozialen Fähigkeiten sind wir nur dann in der Lage zu erschließen, wenn wir das Werkzeug der abstrakten Vernunft als unbrauchbar beiseite legen und statt dessen mit den alltäglichen, persönlichen und überpersönlichen, Erfahrungen arbeiten, mit denen wir uns auskennen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2006
Die Idee des Buches findet Wolfgang Kersting schon mal gut, wenn ihm das Ganze auch noch nicht ausgereift im Sinne einer stimmigen Theorie erscheint: Was nicht ist, kann ja noch werden. In diesem Fall wäre das ein Fortschritt in der Moralphilosophie nach Kant mit Kant. Und das geht so: Der Autor Anton Leist verschafft der Kant'schen Moral ein "neues Geltungsfundament im Gemeinschaftlichen", tauscht einige ihrer wesentlichen Charaktermerkmale ("Schroffheit", "Vernunftheroismus" und anderes) gegen weniger unangenehme Eigenschaften aus, kurz, kehrt zurück zu einer vorkantianischen Moral und, um es nicht beliebig werden zu lassen, stellt diese in einen "kommunitaristischen Rahmen". "Fertig ist ein Postkantianismus Hegelscher Güte". Sprach der Rezensent.
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