Olga Tokarczuk

Ur und andere Zeiten

Roman
Cover: Ur und andere Zeiten
Berlin Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783827003409
Gebunden, 335 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Esther Kinsky. Zentrum der Welt und Ort des Geschehens ist das fiktive ostpolnische Städtchen Ur, bewacht von den vier Erzengeln Raphael, Uriel, Gabriel und Michael und bewohnt von den merkwürdigsten Menschen: der jungen Genowefa, dem verarmten Baron, der sein Leben einem kabbalistischen Rätselspiel verschrieben hat, dem wilden Mann, der im Wald lebt, dem Säufer Pawel Göttlich ... Die Erzählung setzt im Jahr 1914 ein und begleitet die historische Entwicklung Polens durch das 20. Jahrhundert. Doch sie könnte auch zu jeder beliebigen Zeit spielen, denn Olga Tokarczuk beschwört nicht in erster Linie die politischen Ereignisse zweier Weltkriege, es sind die ewigmenschlichen Geschichten von Liebe und Hass, Glück und Leid, Geburt und Tod. Das Personal dieser Geschichtenwelt ist das Personal der Märchen und Mythen. Zum Leben erweckt werden all diese menschlichen Urtypen in einer Sprache, die diese junge Autorin perfekt beherrscht: der einfachen Zaubersprache der Märchen mit ihrer poetischen Leuchtkraft und ihrer drastischen Grausamkeit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.01.2001

Ilma Rakusa preist den Roman, der in dem fiktiven Dorf Ur spielt und aus der Perspektive der Engel einen Blick auf den Lauf der Geschichte des vergangenen Jahrhunderts wirft, als "grandiose Parabel". In seiner Mischung aus Dorfchronik, Epos und Märchen, vermeide das Buch sowohl das in zeitgenössischen Werken verbreitete "Plappern", als auch den "(postmodernen) Refexionsfuror", so die Rezensentin erfreut, die den "zeitlosen Märchenton", den die polnische Autorin anschlage, zwar riskant, aber gelungen findet. Tokarczuk sind äußerst berührende Szenen gelungen, die in "Momentaufnahmen" das Grauen des Krieges festhalten, lobt die Rezensentin, die die "poetische Verdichtung" des Romans als besondere Leistung würdigt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000

Iris Radisch ist äußerst angetan von diesem Roman, der im exemplarischen Ort Ur von drei Generationen und zwei Weltkriegen erzählt. Dieser `Ur-Ort der Literatur` ist nicht, wie die gegenwärtige deutschen Literatur, `übersichtlich wie ein Fahrplan`, meint die Rezensentin dankbar. Aus der Perspektive eines Engels erzählt, sei der Text von `provozierender Rätselhaftigkeit` und verzichte auf eine durchsichtige Welterklärung, so die Rezensentin begeistert. Ur sei gleichermaßen `Inbild der Poesie` wie es auch als `Urbild Polens` gelesen werden könne. Der Roman, den seine Autorin selbst ein `metaphysisches Märchen` nennt, ruft die alte osteuropäische Literatur ins Gedächtnis und weckt sie in `neuem Eigensinn` wieder zum Leben, so Radisch begeistert.
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