Aus dem Polnischen von Caesar Rymarowicz. Rom im Jahre 1957: Ein junger Mann aus dem kommunistischen Polen sucht Hilfe bei hohen Vertretern des Vatikan für die Lösung eines innerkirchlichen Problems: Sein Vater, der Justiziar des Klerus im polnischen Thorn, hat aus Gründen, die unbekannt bleiben, das Vertrauen seines Bischofs verloren und ist in seiner Existenz bedroht. Doch er gerät vom Regen in die Traufe, stößt bei seinen Gesprächen auf ebenso undurchdringliche wie durch Misstrauen sich lähmende Fronten. Der Anwalt bei der Kurie - ein Freund des Vaters aus gemeinsamen römischen Studientagen - begegnet dem Sohn mit spürbarer Vorsicht. Die herzliche Wärme, die diese Verstellung larviert, verbindet sich mit einer großbürgerlichen Attitüde und perfekter klerikaler Diplomatie.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.08.2012
Franz Haas stellt erfreut fest, dass Tadeusz Brezas Roman von 1960 wiederaufgelegt worden ist, auch wenn er sich ein wenig über viele neu hinzugekommene Druckfehler ärgert. Der heute fast vergessene Autor lässt darin einen jungen Ich-Erzähler aus dem kommunistischen Polen zum Vatikan nach Rom reisen, um für seinen beim Bischof von Thorun in Ungnade gefallenen Vater vorzusprechen. Er kommt dabei nicht nur mit der unnahbaren katholischen Bürokratie, sondern auch mit der Welt der in Rom lebenden Exil-Polen in Berührung, und nicht nur einmal fallen dem Rezensenten Kafkas glücklose Protagonisten ein, die sich an undurchschaubaren Hierarchien abarbeiten. Für Haas ist es ein Wunder, dass dieser in Stil und Psychologie glänzende Roman seinerzeit überhaupt im Ostblock veröffentlicht werden konnte, wobei er zu bedenken gibt, dass, was uns heute "doppeldeutig" erscheint, zur Entstehungszeit nicht so gemeint gewesen sein muss. Der Rezensent hat so manche absurde Szene gefunden, wenn der Held durch die labyrinthische Welt des Vatikans mäandert. Am stärksten fasziniert aber haben ihn die Passagen, in denen Breza von den armselig in Rom lebenden Exilpolen erzählt.
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